Meistens ist unser innerer Kritiker der strengste von allen: „Bin ich eine gute Mutter?“, „Hätte ich geduldiger reagieren sollen?“, „Die anderen Eltern kriegen das doch auch hin!“ Selbstkritische Gedanken begleiten uns den lieben langen Tag. Dabei rauben sie uns nicht nur wertvolle Energie, sondern trüben auch unsere Freude am Familienalltag. Mit ein paar wirksamen Strategien kannst du diesen Kreislauf durchbrechen.
Als Eltern stehen wir unter ständigem Druck, alles richtig machen zu wollen. Zwischen allem, was jeden Tag so ansteht, bleibt selten Zeit für Selbstfürsorge, und viel zu schnell schleichen sich negative Gedanken ein. „Ich bin nicht gut genug“ oder „Andere Eltern machen das besser“ sind typische Sätze, die immer mal wieder in unseren Köpfen kreisen. Doch die ständige Selbstkritik hindert uns daran, selbstbewusst und präsent für unsere Kinder zu sein.
Dabei verdienst du als Elternteil genau die gleiche Nachsicht, die du auch deinen Kindern entgegenbringst. Diese sechs Impulse können dir dabei helfen, nicht mehr so hart mit dir ins Gericht zu gehen.
#1 Sei lieb zu dir selbst
Beobachte mal, wie liebevoll und geduldig du mit deinem Kind umgehst, wenn es einen Fehler macht oder unsicher ist. Genau diese Haltung verdienst du auch selbst! Wenn du das nächste Mal in Selbstkritik verfällst, frage dich: „Würde ich so auch mit meinem Kind sprechen?“ Diese Perspektive hilft dir, eine mitfühlendere innere Stimme zu entwickeln.
Stell dir vor, dein Kind hätte die Brotdose vergessen oder wäre bei einer Aufgabe gescheitert. Würdest du es anschreien oder ihm sagen, dass es versagt hat? Vermutlich nicht. Du würdest es trösten, ermutigen und ihm helfen, aus dem Fehler zu lernen. Diese Freundlichkeit darfst du auch dir selbst entgegenbringen. Versuche, deine innere Kritikerin durch eine unterstützende Stimme zu ersetzen, die dich aufbaut, statt dich immer wieder niederzumachen.
Ein wunderbares Tool für langfristig mehr Selbstmitgefühl ist das Buch „Selbstmitgefühl für Eltern“ von Susan Pollak. Es bietet praktische Übungen, die dir helfen, von jetzt an freundlicher mit dir selbst umzugehen.
#2 Haha, als ob!
Wenn du dich mal wieder wegen eines vermeintlichen Fehlers fertigmachst, treibe den Gedanken doch mal bewusst ins Lächerliche: „Klar, weil ich heute das Sportzeug vergessen habe, wird mein Kind niemals Teamfähigkeit lernen, keinen Schulabschluss schaffen und später unter der Brücke landen.“ Humor in dieser Übertreibung kann die Unverhältnismäßigkeit deiner Selbstvorwürfe entlarven und nimmt ihnen auf erfrischende Weise die Macht.
Diese Technik kann dir dabei helfen, zu erkennen, wie überzogen deine Selbstkritik oftmals ist. Statt gegen die negativen Gedanken anzukämpfen, entlarvst du sie durch Übertreibung als das, was sie in den meisten Fällen sind: maßlos übertrieben. Das Schmunzeln über die absurde Zuspitzung schafft eine gesunde Distanz zu deinen Sorgen und bringt dich zurück in eine realistischere Perspektive.
#3 Nimm's nicht so wichtig
Frage dich bei selbstkritischen Gedanken sofort: „Wird diese Situation in 10 Minuten, 10 Monaten oder 10 Jahren noch relevant sein?“ Die vergessene Brotdose, das nicht perfekt durchorganisierte Spielzeugregal oder der Wutanfall im Supermarkt – vieles verliert in der langfristigen Perspektive seine Dramatik.
Diese 10-10-10-Methode hilft dir, elterliche Alltagsprobleme effektiver einzuordnen und dich nicht in Kleinigkeiten zu verlieren. Natürlich gibt es auch Situationen mit längerfristigen Konsequenzen, aber selbst dann ist Selbstkritik selten konstruktiv. Die Zeitperspektive nimmt den Selbstvorwürfen ihre Macht und hilft dir dabei, zu erkennen, was wirklich wichtig ist und was nicht.
#4 Bewegen und ablenken
Wenn negative Gedanken doch wieder überhandnehmen, steh auf und bewege dich! Ein kurzer Spaziergang mit dem Kinderwagen, ein paar Hampelmänner mit den Kids oder einfach nur kräftiges Schultern kreisen und bewusstes Durchatmen im Badezimmer – körperliche Aktivität unterbricht den Gedankenkreislauf effektiv.
Diese körperliche Unterbrechung kann tatsächlich helfen, Gedankenmuster zu durchbrechen. Die Bewegung signalisiert deinem Gehirn, dass sich etwas verändert, und macht es leichter, aus der negativen Schleife auszusteigen. Danach fällt es dir oft deutlich leichter, mit einem klareren Kopf auf die Situation zu schauen und konstruktivere Gedanken zu fassen.
Dein Gedankenkarussell dreht nachts noch eine Extrarunde? Steh auf und kuschel dich mit einem spannenden Buch auf die Couch. Bleib keinesfalls stundenlang im Dunkeln liegen und lass die Gedanken kreisen, denn das gibt ihnen erneut die Chance, dich runterzuziehen. Ein gutes Buch lenkt dich ab und macht dich gleichzeitig schnell wieder müde.
#5 Unrealistische Standards hinterfragen
Viele unserer Selbstzweifel als Eltern stammen noch aus unserer eigenen Kindheit oder sind beeinflusst von gesellschaftlichen Erwartungen. „Eine gute Mutter ist immer geduldig“, „Ein guter Vater weiß immer Rat“ – solche unrealistischen Standards setzen uns unter Druck.
Frage dich: Woher kommen diese Überzeugungen? Sind sie wirklich deine eigenen oder hast du sie übernommen? Vielleicht hast du in deiner Kindheit oft gehört, dass du dich nicht so anstellen sollst, oder deine Leistungen wurden selten gewürdigt. Diese Erfahrungen prägen unser Selbstbild oft bis ins Erwachsenenalter und beeinflussen, wie wir uns als Eltern sehen. Das Erkennen und Hinterfragen dieser Glaubenssätze ist der erste Schritt, um dich von ihnen zu lösen. Allein diese Erkenntnis kann bereits entlastend wirken und dir helfen, neue, gesündere Überzeugungen zu entwickeln.
#6 Eigenlob stinkt nicht!
Wir Eltern neigen dazu, nur die Meilensteine unserer Kinder zu feiern, während wir unsere eignen kleinen täglichen Erfolge übersehen. Dabei sind es gerade diese Momente, die unser Selbstvertrauen stärken können: unser geduldiges Zuhören trotz Zeitdruck, das kreative Lösen eines Konflikts zwischen Geschwistern oder einfach das Durchhalten an einem anstrengenden Tag.
Nimm dir abends ein paar Minuten Zeit, um drei Dinge aufzuschreiben, die heute gut gelaufen sind. Diese Praxis lenkt deinen Fokus auf das Positive und trainiert dein Gehirn darauf, Erfolge überhaupt als solche wahrzunehmen. Ein tolles Hilfsmittel ist hier ein Tagebuch:
Eine gute Verbindung zu sich selbst zu spüren, ist so wichtig. Langfristig aufbauen und festigen kannst du diese mit dem Nr. 1-Selbstfindungs-Journal „Meine Reise zu mir selbst“.
Selbstmitgefühl macht dich zum besseren Elternteil
Der freundliche Umgang mit dir selbst ist kein egoistischer Luxus, sondern eine Notwendigkeit – besonders als Elternteil. Wenn du lernst, deine Selbstkritik zu zügeln und dir selbst mit mehr Mitgefühl zu begegnen, profitierst nicht nur du, sondern deine ganze Familie. Deine Kinder erleben ein authentisches Vorbild, das Fehler machen darf und trotzdem liebenswert ist. Sie lernen durch dein Beispiel, dass Perfektion nicht das Ziel ist, sondern ein liebevoller Umgang mit sich selbst und anderen.
Wichtig: Manchmal braucht es auch professionelle Unterstützung. Wenn dein innerer Kritiker immer lauter wird, sprich mit deinem Hausarzt oder wende dich an eine psychologische Beratungsstelle. Psychische Notfälle erfordern sofortige Hilfe! In akuten Krisensituationen ist die Notrufnummer 113 oder das Info-Telefon der Deutschen Depressionshilfe 0800 / 33 44 533 für dich eine erste Anlaufstelle.
Beginne noch heute damit, deinen inneren Kritiker sanft, aber bestimmt in die Schranken zu weisen. Denn du gibst jeden Tag dein Bestes als Elternteil – und das verdient Anerkennung, vor allem von dir selbst!









