Wenn dein Kind einen Wutanfall hat, ist das nicht nur anstrengend für dich – es zeigt, dass es gerade emotional komplett überfordert ist. Sein inneres System ist überlastet. Familien-Coach Christopher End sagt: "Jetzt braucht es vor allem eins: dich. Nicht deine Reaktion, nicht deine Erziehung, sondern einfach Halt." Und auch wenn alle Eltern wissen, wie schwer das ist, mit dem Ruhig bleiben in solchen Situationen: Oft machen wir alles noch schlimmer, indem wir Druck ausüben. Das verlängert den Wutanfall nur. Welche 5 typischen Fehler wir alle machen – und was wirklich hilft, erklärt uns der Experte im Video.
# Die Zeitstress-Falle
Allein beim Lesen, schlägt das Herz schon schneller, oder? Unter (Zeit-)Druck, mit einem Kind, das außer sich ist – wir alle kennen dieses Kurz-vor-Explosions-Gefühl. Das Problem: "Wenn du den Wutanfall deines Kindes im Stress mit Schnelligkeit beantwortest, kippt die Situation noch mehr", erklärt Familien-Coach Christopher End. Denn innerlich läuft schon alles auf Hochtouren bei deinem Kind. Unsere äußere Eile beschleunigt das nur noch."
Er hat aber eine Lösung (auch wenn diese leichter klingt, als sie ist): "Was dein Kind jetzt braucht, ist dein Atem. Deine Langsamkeit. Dein Bei-dir-sein. Also tief durchatmen, sobald du merkst, dass es in dir brodelt. Vielen hilft es schon, kurz innezuhalten, tief einzuatmen und doppelt so lange durch die fast verschlossenen Lippen auszuatmen. Mir hat das schon so einige Ausraster erspart (wenn auch nicht jeden). Ebenfalls hilfreich? Die Box-Atmung.
Die Kleinrede- und Erklär-Falle
Erklärungen sind zwar oft gut gemeint, doch in emotionaler Not erreichen sie dein Kind gar nicht. Das ist nämlich gerade nicht auf Empfang. Wenn das Nervensystem überfordert ist, kommen die Worte nicht zum Kind durch. Auch bei Erwachsenen übrigens nicht.
Was hilft? Erst den überbordenden Gefühlen Raum geben: Und hier zählt das Gefühl des Kindes (nicht unsere Einschätzung oder der Versuch, alles kleinzureden) – DANN das Verstehen. Sind alle wieder einigermaßen ruhig, können wir als Eltern altersgerecht mit dem Kind sprechen und erklären, was erklärt werden muss.
Die Isolations-Falle
Früher waren solche Sätze normal. Heute wissen wir: Isolation im Sturm aka Wutanfall verstärkt die innere Not. Hier ist der Fehler kein zu viel, sondern ein Zuwenig.
Was tun? "Bleib in Reichweite, selbst wenn du innerlich schwankt", sat Christopher End. Und ja, das ist eine Sache der Übung. Es wird leichter, je öfter wir es tun. "Du bist wütend. Ich sehe das. Ich bin da." Das musst du nicht explizit sagen, denn ja, manchmal fühlt sich das einfach nicht passend an – oder dein (größeres) Kind wird durch diese Worte erst recht wütend. Auch Christopher End sagt: "Es reicht, wenn du es spürst und ausstrahlst. Versöhnung, Erklärung, Reflexion – das kommt später, wenn Ruhe eingekehrt ist."
Die Macht-Falle
In unserer Not greifen wir nicht selten zur Macht, die wir Erwachsenen ja automatisch haben. "Wahrscheinlich kennst du das: Aufforderung. Befehle. Kontrolle", erklärt Christopher End. "Doch Wut schützt. Und sie wehrt sich auch gegen unsere Ansagen."
Verbindung wirkt stärker als Kontrolle, erklärt der erfahrene Familien-Coach und Papa. Mehr als ein "Jetzt mach endlich!", "Stell dich nicht so an" oder "Wenn du nicht xy, dann …" wirkt ein "Ich sehe dich". Du musst es nicht aussprechen, nur da sein. Das reicht schon.
Die Überforderungs-Falle
Wenn wir selbst überfordert sind, kippen Wutanfall-Situationen oft ins Verletzende. Die drei S sind besonders heikel. Also Schimpfen, Schreien, Strafen. Auch Drohungen wie "Ich sage es jetzt zum letzten Mal …", gehören dazu. Wut darf sein. Bei deinem Kind und bei dir. NUR: ohne zu verletzen.
Noch eine Falle, in die wir nicht tappen sollten, ist die Perfektions-Falle. "Sei sanft mit dir, wenn es mal nicht klappt. Und stolz, wenn es gelingt. Wir lernen das gemeinsam mit unseren Kindern", gibt Christopher End uns Eltern mit auf den Weg. Ich nehme mir das auf jeden Fall zu Herzen. Denn, mal ganz ehrlich: Eltern haben einen wirklich herausfordernden Job. Wir geben unser Bestes.
Denk dran: Nobody is perfect
Sich selbst unter Kontrolle zu haben, ist manchmal verdammt schwer. Nobody is perfect. Sich zu reflektieren und es immer und immer wieder zu versuchen, gehört nun mal dazu, wenn wir unsere Kinder stärken wollen – und uns gleich mit. Außerdem können wir uns entschuldigen und Dinge erklären. Auch das sind wichtige Learnings für unsere Kids.
Buch- & Podcast-Tipps
Christopher End hat bereits einige Bücher veröffentlicht. Besonders ans Herz legen kann ich euch "Elternsein als Weg: Wie ich gemeinsam mit meinem Kind wachsen kann – statt zu verzweifeln", seinen Podcast Eltern-Gedöns und sein Kinderbuch Lily & Tom – Der kleine Samurai findet seine Mitte: Meditation und Selbstregulation für Kinder. Auf seiner Webseite findet ihr zusätzlich ein kostenloses E-Book zum Thema "Geheimformel Wutanfall".
Und ganz wichtig: Wer sich dabei erwischt, Grenzen zu überschreiten, darf – und sollte – sich Hilfe holen. Seiner Familie und sich selbst zuliebe. Nicht zu vergessen, brauchen gerade Eltern Zeit, ihre Akkus aufzufüllen. Klingt wie ein Kalenderspruch, ist aber nun mal so: "You can't pour from an empty cup". Nur wer für sich selbst sorgt, kann den Herausforderungen des Alltags dauerhaft standhalten







