Wutanfall im Supermarkt, Tränen beim Zähneputzen oder Geschrei, weil der falsche Becher auf dem Tisch steht – Eltern kennen diese Momente, in denen das Drama scheinbar aus dem Nichts entsteht. Doch oft braucht dein Kind in solchen Situationen keine Strafen oder lautes Gegenreden – sondern einfache Worte, die Sicherheit, Verständnis und Nähe vermitteln. Hier sind fünf magische Sätze, mit denen du dein Kind achtsam und liebevoll durch den Sturm begleitest, und dich von seiner Wut nicht anstecken lässt.
#1 Emotionen spiegeln statt bewerten – das stoppt Widerstand
"Ich sehe, dass du wütend bist."
Dieser Satz signalisiert: "Deine Gefühle sind okay." Kinder lernen erst mit der Zeit, Emotionen zu erkennen und zu benennen. Wenn du sie für dein Kind in Worte fasst, hilfst du ihm, sich selbst besser zu verstehen. Psychologen nennen das Emotionsspiegelung – sie beruhigt, weil das Kind merkt: "Mama oder Papa versteht mich, ich bin nicht allein mit meinem Gefühl."
Zusätzlich kannst du noch sagen: „Das ist gerade echt schwer für dich, oder? Das verstehe ich gut.“ Damit zeigst du nochmal Empathie und das Kind fühlt sich gesehen und erkannt.
Tipp: Halte dabei Augenkontakt und sprich ruhig. Das hilft dem Nervensystem deines Kindes, sich zu regulieren.
#2 Den Ärger gemeinsam ausatmen und runterkommen
"Atmen wir mal zusammen tief ein und aus."
Dieser Satz holt das Kind ins Hier und Jetzt. Durch das gemeinsame Atmen aktivierst du den Parasympathikus – den Teil des Nervensystems, der für Entspannung zuständig ist. Kinder übernehmen deine ruhige Atmung oft unbewusst. Vielleicht klappt das nicht in jeder Situation in der Öffentlichkeit, das musst du ausprobieren. Aber man kann ja auch im Supermarkt das Kind kurz zur Seite in eine etwas ruhigere Ecke nehmen, sich zu ihm beugen und kurz zusammen atmen, wenn es das zulässt.
Tipp: Mach das Atmen spielerisch: „Puste mal die Wut wie eine Kerze aus!“ So wird Regulation zur Verbindung, nicht zur Pflicht.
"Ich bleib bei dir, bis es vorbei ist." – Sicherheit statt Strafe – die Grundlage für Regulation.
"Ich bleib bei dir, bis es vorbei ist."
Das ist einer der wichtigsten Sätze überhaupt, denn er vermittelt Geborgenheit und Verlässlichkeit und zeigt: "Du bist sicher." Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren haben noch kein vollständig entwickeltes Selbstberuhigungssystem. Sie brauchen deine Co-Regulation – also deine ruhige Präsenz, um sich selbst wiederzufinden. Das klappt häufig nicht in wenigen Minuten, manchmal dauert das länger. Sage dir innerlich, dass du jetzt ruhig bleiben musst und murmele auch für dich beruhigend ein Mantra, solltest du häufig schnell genervt von der Wut deines Kindes sein.
Tipp: Sag diesen Satz ruhig, bleib in der Nähe, aber zwinge dein Kind nicht zum Körperkontakt. Nähe funktioniert auch ohne Berührung. Du musst ausprobieren, was dein Kind braucht. Dafür gibt es kein Schema F.
Video: Manche Kinder erleben alle Gefühle stärker als andere – Expertin Nora Imlau hat Tipps für ihre Eltern
Nora Imlau kennt sich gut mit Gefühlen bei Kindern und ihrer Bewältigung aus. Wir empfehlen allen, die das sehr beschäftigt, ihr Buch "So viel Freude, so viel Wut.":
#3 Gemeinsamkeit nimmt Bedrohung raus
"Wollen wir's zusammen schaffen?"
Dieser Satz bringt Nähe und Kooperation. Er ersetzt das oft trennende „Jetzt beruhig dich!“ durch ein verbindendes „Wir machen das gemeinsam.“ So aktivierst du das Sicherheitsgefühl deines Kindes. Es weiß: „Ich muss das nicht allein schaffen.“ Das stärkt Vertrauen und Selbstwirksamkeit – zwei Grundpfeiler emotionaler Stabilität. Wenn es als Frage formuliert ist, wirst du darauf vielleicht keine Antwort bekommen, aber im besten Fall ein stummes Nicken. Und auch hier gilt: Versuche geduldig zu sein, von jetzt auf gleich funktionieren diese Sätze nicht. Es braucht bei jedem Kind und in jeder Situation seine Zeit.
Tipp: Kleine Gesten wie eine ausgestreckte Hand oder sanftes Nicken können diese Botschaft noch verstärken.
#4 Selbstreflexion und Autonomie fördern
"Wie kann ich dir helfen, damit du dich besser fühlst?"
Dieser Satz öffnet den Raum für Mitbestimmung. Kinder fühlen sich oft ausgeliefert – kleine Entscheidungen zu treffen, gibt ihnen Kontrolle zurück. Das reduziert Ohnmachtsgefühle und Aggression. Selbst wenn dein Kind keine Antwort weiß, zeigst du: "Ich nehme dich ernst." Und das allein wirkt oft schon deeskalierend.
Bei Kindern unter drei Jahren kann das allerdings noch nicht so gut ankommen. Dann stellst du die Frage mehr in den Raum und gibst selbst eine Antwort. Die wird noch nicht von deinem Kind kommen. Biete ihm etwas an, was einen Kompromiss darstellt bzw. komme dem Kind etwas entgegen. Das kann Wunder wirken.
Tipp: Wenn ihr zu Hause seid, biete zwei konkrete Möglichkeiten an, wenn dein Kind überfordert ist: „Willst du lieber auf den Arm oder lieber kurz in dein Zimmer gehen?“ Manche Kinder brauchen es auch kurz für sich zu sein. Das wirst du mit der Zeit herauskriegen, wie dein Kind tickt.
Worte, die verbinden – nicht erziehen
Diese fünf Sätze sind keine Zauberformeln, die jedes Drama sofort beenden. Vor allem, wenn ihr in der Öffentlichkeit eine solche Situation habt und nicht im geschützten häuslichen Raum. Aber sie sind Werkzeuge für Beziehung, keine Waffen im Machtkampf. Wenn du sie regelmäßig nutzt, lernt dein Kind: Gefühle sind erlaubt – und vergehen wieder. Und du lernst: Ruhe steckt an.
Denn wenn du versuchst ruhig zu bleiben, überträgt sich das auch auf dein Kind. Je genervter du bist, um so größer wird das Drama. Daher ist es so wichtig, wie wir in solchen Situationen reagieren. Denn: Eltern, die gelassen bleiben, schenken ihrem Kind das wertvollste Gefühl der Welt – Sicherheit.
Aber hab keine Sorge, wenn dir das noch sehr schwerfällt und du das Gefühl hast, du bist der einzige Elternteil auf der Welt, dass das nicht kann: Das ist nur deine Wahrnehmung. Wir sitzen alle im selben Boot und kennen diese Verzweiflung. Nur nicht alle Eltern zeigen dies anderen. Glaub uns, wir verstehen dich und diese Situationen kommen und gehen. Du wirst das gut meistern!







