Neues Jahr, neue… Stressliste? Der Januar kommt oft mit diesem leisen Druck um die Ecke: Jetzt werde ich ein komplett neuer Mensch! Mehr Sport, weniger Zucker, weniger Alkohol, endlich früh ins Bett, jeden Tag meditieren, nie wieder prokrastinieren und am besten noch morgens um 5 Uhr joggen, während du deine Steuer machst. Klar. Und danach rettest du kurz die Welt. Wenn das so funktionieren würde, könnten wir uns Neujahrsvorsätze schenken.
Die gute Nachricht: Du brauchst keine Hardcore-Vorsätze, um dich besser zu fühlen. Manchmal reicht es, ein paar kleine, nervige Gewohnheiten auszumisten, die dir Alltag, Beziehungen und Selbstgefühl unnötig vermiesen. Keine radikale Veränderung, kein „Ab morgen bin ich perfekt“. Sondern: Mini-Schritte, große Wirkung. Und du kannst damit jederzeit anfangen, nicht nur jetzt am Jahresanfang, sondern wenn du bereit dafür bist.
#1 Erst meckern, dann (vielleicht) loben
Du sagst immer erst mal zuerst, was nicht passt und siehst immer zuerst das Negative? Das ist mit Sicherheit keine böse Absicht. Der Effekt ist trotzdem mies: Kritik bleibt hängen, Lob verpufft. Das sorgt nicht nur für schlechte Stimmung, sondern auch dafür, dass sich andere schnell angegriffen fühlen (und du irgendwann als „streng“ oder „negativ“ herüberkommst).
So geht's besser: Erst benennen, was gut läuft – dann die Kritik. Das ist kein Schleimen, sondern Kommunikation mit Hirn. Eine einfache Regel hilft: „Zuerst ein echtes Lob, dann ein konkreter Wunsch.“ Beispiel: „Ich find’s super, wie gründlich du das vorbereitet hast. Beim nächsten Mal wäre mir wichtig, dass…“ – wirkt sofort kooperativer.
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#2 Nebenbei leben: Handy an, Kopf aus
Du scrollst kurz… und zack, ist eine halbe Stunde weg. Du triffst dich mit Freund*innen, guckst aber permanent aufs Handy und bist irgendwie nicht wirklich da. Du schaust eine Serie und checkst nebenbei deinen Insta-Feed? Dein Kind fragt dich zum dritten Mal was, aber du musst erst mal das Smartphone weglegen? Dieses „Nebenbei-Leben“ stresst dein Gehirn, weil es nie richtig abschalten darf. Am Ende bist du müde, obwohl du eigentlich „nichts gemacht“ hast. Und die Beziehungen in deinem Leben leiden darunter, dass du nie richtig anwesend bist und deine Aufmerksamkeit eigentlich woanders ist.
Du brauchst keinen Digital Detox, nur kleine Offline-Inseln. Zum Beispiel: Handy beim Essen außer Reichweite. Oder die Regel: Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, liegt das Display unten und die Benachrichtigungen sind stumm. Auch gut: „One-Task-Minuten“ – kurze Momente am Tag, in denen du nur eine Sache machst: Kaffee trinken, Zähne putzen, Treppe hochgehen. Klingt mini – fühlt sich riesig an und das Smartphone muss nicht ÜBERALL dabei sein.
#3 Aus „gleich“ wird „nie“: Prokrastinieren deluxe
Prokrastination (das Aufschieben von Aufgaben auf später) ist nicht Faulheit. Es ist oft ein Mix aus Druck, Überforderung oder Angst, es nicht perfekt hinzubekommen. Das Problem: Je länger du schiebst, desto größer wirkt die Aufgabe – und desto mehr Energie frisst sie im Hinterkopf. Ein mentaler Dauer-Tab, der offen bleibt.
Vergiss „Ich mach das heute komplett“, sondern starte in kleinen Schritten bzw. teile deine Aufgaben ein. Es geht ja erst mal ums Anfangen, egal wie klein. Danach bleibt man meist weiter dran, wenn man schon mal dabei ist. Und was auch hilft: Notiere dir deinen Erfolg, egal wie klein er ist. Das wirkt motivierend! Auch das Anpassen deiner Einstellung hilft: Statt „Ich muss“, kannst du dir „Ich entscheide mich dafür“ sagen. Das macht dich wieder handlungsfähig.
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#4 Abends Serien + Chips = Snacken auf Autopilot
Du willst eigentlich entspannen – und plötzlich ist die Tüte leer. Nicht, weil du Hunger hattest, sondern weil dein Gehirn Beschäftigung sucht. Serien schauen plus Snacks ist wie ein Doppel-Trigger: Belohnung durch emotionale Story + Belohnung durch Essen. Das merkt dein Körper erst, wenn es zu spät ist: voll, träge, unzufrieden.
Du musst dir Snacken und Serienbingen nicht von heute auf morgen komplett verbieten. Die simpelste Lösung: Portionieren statt Tüte. Leg dir eine kleine Schüssel hin – fertig. Und ersetze „Knabbern ohne Ende“ durch bessere Alternativen: Nüsse (kleine Portion!), Obst, Popcorn ohne Zucker, Gemüsesticks mit Dip. Oder: Mach eine Sache bewusst – entweder snacken oder schauen. Das fühlt sich überraschend frei an.
#5 Sofort antworten, obwohl du eigentlich keine Kapazität hast
Schnell zurückschreiben, fix zusagen, kurz helfen – und später bereuen. Viele von uns sind so auf „funktionieren“ trainiert, dass wir automatisch reagieren, bevor wir überhaupt fühlen, ob wir gerade wirklich können. Das Ergebnis: innerer Druck, genervte Stimmung, das Gefühl, immer für alle da zu sein – außer für dich selbst.
Baue dir eine Standard-Antwort, die dich rettet: „Ich schau kurz und melde mich später.“ Oder: „Ich kann heute nicht, aber nächste Woche.“ Du bist nicht unhöflich – du bist klar. Und Klarheit ist ein Geschenk. Besonders an dich selbst. Außerdem musst du nicht zu allem Ja sagen, sondern darfst auch ruhig mal Dinge ablehnen, wenn es einfach zu viel ist!
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#6 Dich selbst hart bewerten (für Dinge, die du bei anderen nie kritisieren würdest)
Du würdest deiner Freundin nie sagen: „Du bist echt peinlich, weil du das nicht sofort geschafft hast.“ Aber zu dir selbst? Da geht’s plötzlich. Dieser innere Kritiker klingt oft wie ein mieser Coach aus der Steinzeit: laut, streng, wenig hilfreich. Und ja – er „motiviert“ manchmal, aber meistens macht er dich klein.
Stell dir eine einfache Frage, wenn du dich fertig machst: „Würde ich so mit jemandem sprechen, den ich liebe?“ Wenn nein, umformulieren. Statt „Ich krieg gar nichts hin“ sagst du dir: „Heute war viel. Ich mach den nächsten Schritt.“ Das „Ich bin so unorganisiert“ verwandelst du in ein: „Ich brauche ein System, das zu mir passt.“ Selbstmitgefühl ist keine Schwäche, sondern ein effektives Tool. Denn Menschen verändern sich leichter, wenn sie sich nicht permanent für sich schämen.
2026 muss nicht perfekt sein!
Neujahrsvorsätze fühlen sich oft an wie ein riesiger Berg, den du „jetzt endlich“ erklimmen musst. Aber echte Veränderung passiert selten in einem dramatischen Moment. Sie passiert in kleinen Entscheidungen, die du wiederholst.
Du musst nicht komplett neu werden. Du darfst einfach ein paar nervige Gewohnheiten loslassen, die dir Energie klauen – und sie durch kleine Alternativen ersetzen, die dich stärken. Das muss nicht heute und morgen passieren, sondern einfach dann, wenn du bereit dafür bist!









