Wenn deine Eltern (oder Großeltern) in den 1960ern oder 70ern aufgewachsen sind, dann haben sie ganz automatisch Lebensregeln verinnerlicht, die heute Gold wert sind. Diese 11 Prinzipien waren damals Alltag, heute wirken sie wie Superkräfte.
Zwischen Butterbroten, Draußenspielen bis zum Umfallen und Fernsehabenden mit nur drei Sendern haben sich Werte wie Verlässlichkeit, Kreativität und Gemeinschaftssinn ganz nebenbei eingeprägt – ohne Life-Coaches oder Erziehungs-Newsletter. Und weißt du was? Diese Oldschool-Learnings sind aktueller denn je. Sie holen uns runter vom Stresskarussell, machen uns widerstandsfähiger und geben unseren Kindern Orientierung.
Wir haben elf dieser Lebenslektionen gesammelt und mit einem Augenzwinkern für den Alltag heute liebevoll aufpoliert. Bereit für eine kleine Reise zurück – mit großer Wirkung nach vorn?
#1 Erst die Arbeit, dann das Vergnügen
Bevor der freie Sonntag da war, wurden samstags Hausarbeiten gemacht: Rasen mähen, Flaschen zurückbringen, Terrasse fegen. Übertragen auf heute heißt das: Mach zuerst, was sein muss, dann gönn dir den Spaß – das befreit ungemein und sorgt dafür, dass der freie Moment dann auch wirklich unbeschwert bleibt.
Wie es mit der Selbstdisziplin etwas einfacher wird, erklären Roy F. Baumeister und John Tierney im Spiegel-Bestseller „Die Macht der Disziplin".
#2 Repariere statt wegzuwerfen
Damals wurden Kaffeemaschinen repariert, Radios auseinander gebaut, Fahrräder geflickt. Heute gilt: Ein sichtbarer Flicken auf der Kinder-Jeans (davon gibt es unglaublich schöne!) ist kein Makel, sondern ein Ausdruck von Ressourcenbewusstsein und Nachhaltigkeit.
#3 Steh zu deinem Wort – und sei pünktlich
Wenn man sich auf 18 Uhr verabredet hatte, war man auch tatsächlich um 18 Uhr da. So ein Termin war verbindlich und konnte nicht einfach 10 Minuten vorher per WhatsApp gecancelt oder mit "Komme eine halbe Stunde später" nach hinten verlegt werden. Für heute bedeutet das: Wenn du etwas verabredest – ob Spielplatz oder Restaurant mit der Freundin – dann halte dich möglichst zuverlässig daran. So zeigst du, dass du die Zeit deines Gegenübers als wertvoll ansiehst.
#4 Teile, was du hast
In der Nachbarschaft der 70er Jahre war es normal, Dinge wie eine Leiter oder ein Kuchenblech auszuleihen – und beim Zurückbringen ein wenig zu plaudern. Für den heutigen Familienalltag heißt das: Bau dir ein Netzwerk auf – ob mit einer Tauschbörse im Freundeskreis, im örtlichen Food-Sharing oder indem du den Nachbarn ein Stück Kuchen vorbeibringst, wenn ihr gebacken habt. Damit stärkst du Zugehörigkeit und erteilst der Konsumgesellschaft zugleich eine Absage.
#5 Sei unverplant
Als Kind in den 60er und 70er Jahren saß man nachmittags nicht vor dem Fernseher – da lief damals noch gar kein Programm. Auch war ihr Wochenplan noch nicht zugeballert mit Hobbys wie Tennis, Ballett, Kinder-Yoga ... Was hatten sie also im Überfluss? Zeit. Und was machten sie? Selber Spiele erfinden, im Garten eine Hütte bauen, Fahrrad fahren.
Unsere aktuelle Eltern‑Mission: Räume für bewusst unstrukturierte Zeit schaffen – ohne Bildschirm, ohne Entertainment. Stattdessen mit dem, was da ist. Klar, Kinder langweilen sich so vielleicht auch mal. Aber sie gewinnen gleichzeitig unendlich viel Kreativität.
Wie es mit der bildschirmfreien Zeit klappt (und warum sie so wichtig ist), erfährst du in Cal Newports „Digitaler Minimalismus".
#6 Hör auf die Älteren – und mach es trotzdem auf deine Art
Mehrgenerationenhaushalte waren damals normal. Man sprach miteinander, hörte den Älteren zu, nahm Ratschläge mit, aber folgte ihnen auch damals schon nicht blind. Für deinen Alltag heißt das: Frag doch mal Ältere, wie’s früher war („Was hättest du mit 30 gern schon gewusst?“) – und mach dann dein eigenes Ding draus. Die Kombination aus Erfahrung und individuellem Weg ist unendlich wertvoll.
Welche Vorteile so ein Mehrgenerationenhaus mit sich bringt, hat Ex-„Financial Times“-Chefreporter Lorenz Wagner mit seiner Familie getestet. Die Erkenntnisse kannst du in seinem Buch „Zusammen ist man weniger alt" nachlesen.
#7 Bargeld zählt
Früher wurde in Briefumschlägen Haushaltsgeld eingeteilt: „Lebensmittel“, „Benzin“, „Miete“. Auch wenn das heute antiquiert wirkt, schadet ein wenig analoges Denken in puncto Geld nicht: Ein bestimmtes Budget in bar im Geldbeutel zu haben und für gewisse Dinge auszugeben, macht uns klarer, wo unsere Kohle hingeht. Und Cash Stuffing ist ohnehin total angesagt! Alles mit der Karte zu bezahlen, kann uns dagegen schon mal in die Finanzfalle locken. Einfach weil wir zu wenig Übersicht haben.
Klar, 1:1 kann man die Geldeinteilung von früher nicht mehr übernehmen – die Lebenshaltungskosten haben sich doch sehr geändert. Wie viel Geld man heute so zum Leben braucht, zeigt unser Video:
#8 Privatsphäre wahren
Heute posten wir alles. Früher wurde im Wohnzimmer über Probleme geredet, nicht auf dem Social-Media-Parkett. Für Familien heißt das: Hab nicht den Druck, alles öffentlich zu machen. Der gute Austausch, das echte „Wie war dein Tag?“ – das findet nicht im News-Feed statt, sondern nur im persönlichen Gespräch.
#9 Beweg dich – durch dein bewegendes Leben
Ob Fahrrad fahren, Einkäufe vom Dorfladen nach Hause schleppen oder die Ernte einbringen: Bewegung war in den 60er und 70er Jahren Alltag, kein Zusatzprogramm. Nimm dir für deinen heutigen Tagesrhythmus ein Beispiel daran: Integriere mehr kleine Bewegungsmomente – Treppen statt Aufzug, Fahrrad statt Auto, noch einen kleinen Spaziergang nach dem Mittagessen. Tut so gut und ist ein wahrer Invest in deine Gesundheit.
#10 Perfekt unperfekt
Früher wurde eine schöne Tischdecke über den verkratzten Holztisch gelegt oder eine kuschelige Decke auf das abgesessene Sofa – schlicht, aber mit Stil. Für dein Zuhause heute heißt das: Nicht alles muss neu oder perfekt sein. Atmosphäre kommt von Pflege und Liebe zum Detail – nicht vom Preisetikett.
#11 Sprich mit Fremden – weil Gemeinschaft entsteht
Der Busfahrer, der Briefträger, die Bibliothekarin – in den 60ern und 70ern kannte man alle Personen aus dem Alltag mit Namen und so wurden sie auch gegrüßt. Für den heutigen Familienalltag heißt das: ein „Hallo“ zum Nachbarn, ein kleines Gespräch mit der Kassiererin, ein Mini-Weihnachtsgeschenk für den Paketboten – Gemeinschaft entsteht im Kleinen. Und macht unser Leben so viel menschlicher.
Wie du mit etwas Empathie und kleinen Gesten die Welt verändern kannst, erklärt Psychologin Nora Blum in ihrem beliebten Buch „Radikale Freundlichkeit“.
Für ein lebenswerteres Heute
Diese Lebensweisheiten aus den 60ern und 70ern sind kein Nostalgie‑Trend, sondern Impulse für unsere Familienwelt heute. Wenn wir – gemeinsam mit unseren Kindern – kleine Schritte zurücklegen in Sachen Zuverlässigkeit, Kreativität, Gemeinschaft und Einfachheit, dann gewinnen wir Alltag, der läuft statt rumpelt.
Warum also nicht schon morgen mit der Familie eine dieser „alten“ Regeln probieren? Die Alltagswerkzeuge von früher können unsere Game-Changer von heute sein.














