Weihnachten mit der Familie ist doch am allerschönsten. Auch dann, wenn uns die Feiertage als Eltern in die Zwickmühle zwischen zwei Generationen bringen: Auf der einen Seite unsere liebevollen, oft traditionsbewussten Boomer-Eltern, auf der anderen Seite unsere wunderbaren, manchmal eigenwilligen Kinder. Und da wären noch unsere eigenen Werte und Erziehungsmethoden! Während wir versuchen, allen gerecht zu werden, entstehen Situationen, die uns zwischen Seufzen, Schmunzeln und Verzweifeln pendeln lassen.
Als Eltern stehen wir in der Weihnachtszeit oft wie ein Puffer zwischen zwei Welten: hier die Großeltern mit ihren Erwartungen vom „richtigen“ Weihnachten, dort unsere Kinder mit ihren eigenen Wünschen und Bedürfnissen. Diese Vermittlerrolle kann anstrengend sein, hat aber auch ihre herzerwärmenden und komischen Momente. Und mal ehrlich: Würden wir Weihnachten ohne diese kleinen Generationenkonflikte nicht ein bisschen vermissen? Schließlich sind es genau diese Momente, die unsere Familienfeste einzigartig machen. Und über die wir hoffentlich irgendwann einmal lachen können.
#1 „Der Teller wird leer gegessen!“ – Das Weihnachtsessen-Dilemma
Omas Festmahl ist legendär – und ebenso ihre Erwartung, dass jeder Teller leer gegessen wird. „In unserer Generation hat man nichts weggeworfen“, erklärt sie mit liebevollem Nachdruck. Oder „Probier es doch wenigstens, ich habe den ganzen Tag in der Küche gestanden“. Während unsere Kids, die komplett andere Essgewohnheiten haben – mit den Tränen kämpfen oder nervös unangebrachte Witze reißen, versuchen wir also behutsam zu vermitteln, damit die Stimmung nicht komplett im Eimer ist, bevor es überhaupt zur Bescherung kommt.
Ein guter Kompromiss: Kleinere Portionen anrichten, „sichere“ Lieblingsbeilagen mitbringen und lieber nachnehmen lassen. So bleibt das gemeinsame Essen ein freudiges Erlebnis für alle Generationen.
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#2 „Früher ins Bett? Aber es ist doch Weihnachten!“ – Das Schlafenszeit-Dilemma
Die Schlafenszeit der Kinder sorgt regelmäßig für liebevolle Diskussionen mit den Großeltern. „Lasst sie doch länger aufbleiben, es ist doch nur einmal im Jahr“, hören wir oft. Oder aber, wenn wir im Sinne der Festlichkeit Fünf grade sein lassen: „Die armen Kinder sind so müde, wollt ihr sie nicht mal ins Bettchen bringen?“ Die Schlafdebatte macht auch vor Weihnachten nicht halt, gleichzeitig ist der Druck, eine schöne gemeinsame Zeit zu verbringen, besonders groß.
Eine liebevolle Lösung kann sein, die Schlafenszeit moderat zu verlängern und am nächsten Tag mehr Ruhezeiten einzuplanen. Oder Oma und Opa zu erklären, dass die Kids viel zu aufgeregt zum Schlafen sind und morgen ausschlafen dürfen. Am Ende wisst ihr als Eltern am besten, was die Kids gerade brauchen.
An Weihnachten liegen die Nerven schnell blank und Erziehungskonflikte zwischen den Generationen spitzen sich zu. Im Video haben wir ein paar Ideen, wie du auf Kritik kontern kannst:
#3 „Warst du auch schön artig?“ – Die Angst vor dem bärtigen Mann
Für viele Großeltern gehört der Besuch des Weihnachtsmanns oder Nikolaus fest zur Tradition. „Wir hatten früher auch einen strengen Nikolaus, und es hat uns nicht geschadet“, erklären sie überzeugt. Und im selben Atemzug: „Geh hin, du brauchst doch keine Angst zu haben!“ Die Message, sich für Geschenke „benehmen“ zu müssen oder unsere Kids für das schöne Foto zu traumatisieren, gehört aber für viele von uns nicht zur modernen Erziehung dazu.
Also versuchen wir, den Großeltern behutsam zu vermitteln, dass Kinder unterschiedlich auf solche Begegnungen reagieren und wir auf eine liebevolle (und ggf. unsichtbare!) Version des Weihnachtsmanns setzen. Indem ihr früh mit den Großeltern über eure Interpretation von Weihnachten sprecht und sie mit einbezieht, könnt ihr unangenehme Konflikte an den Feiertagen vermeiden. Omas Bräuche und Opas Geschichten lassen sich bestimmt auch auf andere Weise integrieren.
#4 „Wir kommen nur kurz vorbei!“ – Die Besuchszeit-Herausforderung
Vielleicht wollt ihr Heiligabend nur alleine mit den Kids im Schlafanzug verbringen oder habt einen Besuch bei anderen Familienmitgliedern oder Freund*innen geplant: Die Organisation der Weihnachtsbesuche (und das damit verbundene schlechte Gewissen) stellt für uns als Eltern eine logistische und emotionale Herausforderung dar. Die es jedes Jahr aufs Neue mit Feingefühl (und am besten einer Prise Humor) zu meistern gilt!
Denn auch die liebevollsten Großeltern unterschätzen manchmal, wie anstrengend die Feiertage für die Kids sein können. „Früher haben wir einfach den ganzen Tag zusammen verbracht,“ erinnern sie sich wehmütig. Oder können nicht verstehen, dass ihr als Kernfamilie erst einmal Ruhe braucht – oder auch noch lieber bei den „anderen Großeltern“ feiert!
Eine klare, aber liebevolle Kommunikation im Vorfeld ist hier wichtig: Legt Besuchszeiten fest und erklärt freundlich, warum wir ihr daran festhalten müsst. Oder dass sich euer Weihnachtsplan dieses Jahr ändert, ihr aber dafür Ostern länger zu Besuch kommt.
#5 „Ein kleines Geschenk“ – Die Geschenkeflut bewältigen
Auch die Geschenkefrage kommt alle Jahre wieder: Klar, wir Eltern und die Kids freuen sich über die Großzügigkeit von Oma und Opa. Aber während wir vielleicht versuchen, Maß zu halten, möchten die Großeltern ihre Enkel gerne verwöhnen – manchmal entgegen unserer ausdrücklichen Bitten. Oder sie schenken doch das neueste Leucht-/Blink-/Musik-Spielzeug oder die angesagte Gaming-Konsole, obwohl das nicht in unseren Erziehungsansatz passt. „Wir dürfen unsere Enkel doch ein bisschen verwöhnen“, sagen sie mit liebevollem Blick. Andersrum gibt es schnell schiefe Blicke, wenn die Kids von uns mehr bekommen, als zu „ihrer Zeit“ üblich war. „Meint ihr nicht, dass ihr es etwas übertreibt? Bei uns gab es Apfelsinen und ein Paar Socken!“
Ein offenes Gespräch vor Weihnachten kann helfen: Wir können konkrete Geschenkvorschläge machen oder um Erlebnisgeschenke statt materieller Dinge bitten. Oder ihr trennt die Bescherung bei den Großeltern mit der bei euch, sodass das Chaos nicht überhandnimmt. So fühlen sich die Großeltern einbezogen, und ihr könnt ein paar Konflikte vermeiden. Hilfreiche Wunschliste-Apps stellen wir euch hier vor.
#6 „Wer bringt die Geschenke?“ – Unterschiedliche Traditionen vereinen
In vielen Familien gibt es unterschiedliche Traditionen, wer die Weihnachtsgeschenke bringt: Christkind, Weihnachtsmann oder die Eltern selbst.
„Bei uns war es immer das Christkind“, erklären die Großeltern, während wir vielleicht eine andere Tradition etablieren möchten, die dann gerne übergangen wird. Als Eltern stehen wir dann vor der Aufgabe, eine zusammenhängende Geschichte für unsere Kinder zu schaffen, die alle Familientraditionen respektiert – ohne selbst in Streit zu verfallen. Eine liebevolle Lösung ist, die verschiedenen Traditionen als regionale oder familiäre Besonderheiten zu erklären: „Bei Oma und Opa kommt das Christkind, bei uns zu Hause der Weihnachtsmann.“ So lernen Kinder die Vielfalt von Traditionen kennen.
#7 „Zu meiner Zeit ...“ – Unterschiedliche Vorstellungen vom Benehmen
Die Erwartungen an das Verhalten der Kinder können zwischen den Generationen stark variieren. Großeltern legen oft Wert auf Tischmanieren und ruhiges Verhalten. „Früher mussten Kinder bei Tisch still sein“, hören wir nicht selten. Als Eltern verstehen wir, dass Kinder Bewegung brauchen und ihre Nervosität gerade an Weihnachten regulieren müssen. Auch mal mit dem Tablet. Und ehrlicherweise haben wir gerade an den Feiertagen nicht die Energie, jeden Machtkampf auszutragen.
Gleichzeitig möchten wir den Respekt vor den Großeltern fördern und ihnen zeigen, dass ihre Werte und Bedürfnisse wichtig sind – und den Frieden um den Weihnachtsbaum wahren. Ein liebevoller Mittelweg kann sein, bestimmte „ruhige Zeiten“ festzulegen, wie etwa während des Essens, aber auch „wilde Phasen“ und die geliebte Screentime einzuplanen. So lernen die Kids verschiedene soziale Situationen kennen. Es ist okay, wenn bei Oma und Opa andere Regeln gelten als zu Hause. Aber genauso wichtig, dass ihr für die Bedürfnisse der Kinder einsteht und sie beim Tagesablauf mitdenkt.
Mit Liebe verbinden (und einem Schuss Humor überleben)
Als Eltern haben wir an Weihnachten die besondere Herausforderung, Generationen zu verbinden. Wir können unseren Kindern die wertvollen Traditionen der Großeltern näherbringen und gleichzeitig ihre Bedürfnisse schützen. Diese Vermittlerrolle erfordert oft Geduld, aber sie schenkt uns auch die Möglichkeit, ein Fest zu gestalten, das alle einschließt.
Seien wir ehrlich: Die kleinen und großen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Generationen gehören zum Familienleben dazu. Sie sind nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen, um miteinander ins Gespräch zu kommen und voneinander zu lernen. Und wir meistern sie alle am besten, indem wir mit Humor, Liebe und Verständnis zusammenkommen. Denn am Ende soll uns Weihnachten zusammen- und nicht auseinanderbringen. Ganz so, wie es für euch am besten funktioniert.










