Ihr liebt die Idee von Bilderbuch-Weihnachtsaktivitäten, aber es ist manchmal einfach zu viel? Vielleicht sucht ihr auch eine Alternative zu teuren Adventskalender und Bastelstress. Ein selbstgemachter Montessori-Adventskalender bringt euch Weihnachtsstimmung, ohne zu viel Vorbereitung oder Zeitaufwand. Mit Alltagsgegenständen, ein paar Naturmaterialien und den Ideen unserer Expertin schafft ihr 24 Tage voller gemeinsamer Momente.
Bei einem Montessori-Adventskalender denken viele von uns an einen selbst gefüllten Weihnachtskalender mit jeder Menge Montessori-Spielzeug. Auch eine tolle (vielleicht ergänzende?) Idee! Unser Kalender setzt aber auf bedeutungsvolle Erinnerungen mit den Kid. Statt Geschenke-Stress und endlose To-Do-Listen, ist ein wiederverwendbarer Adventskalender mit einem Mix aus Mini-Geschenken, Deko, Achtsamkeitsübungen und Quality-Time ein Gamechanger. Die Montessori-Pädagogin Iris Mayr hat dafür ein paar tolle Impulse.
#1 Montessori-Adventskalender planen
Die Idee ist, dass ihr euch ein paar Utensilien anschafft und diese dann jedes Jahr mit euren Kindern neu entdecken und verwenden könnt. So kreiert ihr eine schöne Tradition, an die eure Kids sich sicher gerne zurückerinnern. Der Weihnachtskalender baut dabei auf das bewährte Montessori-Konzept der Familiarität auf: Die bekannten Gegenstände geben Kindern Sicherheit und den Rückhalt, die sie darin bestärken, Neues auszuprobieren. Denn mit ihren Fähigkeiten wachsen jedes Mal auch die Möglichkeiten, wie Kinder die Dinge am liebsten verwenden wollen.
"Meine Erfahrung hat gezeigt, dass Kinder es lieben, wenn der Adventskalender jedes Jahr wieder kommt. Das gibt ihnen Halt und Struktur und sie lieben es, Bekanntes auf neue Weise zu verwenden. So erinnern sie sich dann an die gemeinsame Zeit, die man zusammen verbracht hat und an diese Rituale, die man sich als Familie überlegt," sagt Iris Mayr.
#2 Tolle Füllungen für den Adventskalender
Die Montessori-Expertin empfiehlt, eine Weihnachtskiste anzulegen, die ihr jedes Jahr wieder hervorholen und ggf. erweitern könnt. Was ihr hineinpackt, bildet die Basis für euren Kalender –und kann sich nach den Vorlieben eurer Kids richten. Toll sind weihnachtliche Deko und Haushaltsgegenstände, die sich in Spiele und Rituale einbeziehen lassen. Die könnt ihr neu besorgen und jedes Jahr wiederverwenden. Oder ihr schnappt euch, was ihr davon schon zu Hause habt. So könnt ihr für jeden Kalendertag eine Aktivität einplanen:
- Mittelgroßes Weihnachtssäckchen aus Stoff
- Keksausstecher aus Plastik
- Tannenzweige aus Plastik (Achtung, ggf. spitze Enden wegschneiden)
- Tannenzapfen (wir nehmen selbst gesammelte)
- unbehandelte getrocknete Orangenscheiben, (wir empfehlen euch, auf normale Deko-Orangenscheiben zu verzichten, denn sie sind oft mit Chemikalien behandelt).
- Plastik-Weihnachtskugeln in verschiedenen Größen
- kleine Glöckchen
- zugeschnittene Geschenkbandstreifen
- fertige Paketschleifen
- Kochlöffel mit Loch zum Aufhängen
- Küchenrollen-Karton
- Geschenkband-Box (oder ihr nehmt einen alten Schuhkarton mit Loch. Ihr könnt auch extra-Löcher hineinschneiden.)
- Gewürzbehälter mit Deckel, ihr könnt auch selbst kleine Löcher in alte Plastikdöschen stechen.
#3 Kalender aussuchen
Wie soll der Montessori-Kalender aussehen? Drei tolle Möglichkeiten, vielleicht fallen euch ja noch mehr ein:
- Klassischer selbstgemachter Weihnachtskalender: Pro Tag einen Gegenstand der Montessori-Übung in ein Säckchen packen und die Kinder herausholen lassen. Alternativ gehen auch kleine Zettel, die die Überraschung beschreiben und von euch vorgelesen werden
- Kalender-Säckchen: Die ausgesuchten Utensilien jeden Tag ins gleiche Säckchen packen und den Kindern hinstellen. Dann können sie reinschauen, zusammen mit euch alles z.B. auf einem Tablett arrangieren und loslegen.
- Einfach nebenbei: Ihr könnt den Kalender so in den Tagesablauf integrieren, wie es eben gut funktioniert und euren Kindern sagen, dass ihr jeden Tag etwas Schönes zusammen macht. Ganz ohne Türchen oder zusätzlich zu einem klassischen Adventskalender.
Euer ganzes Kinderzimmer soll Montessori-tauglich werden? Mit diesen fünf Tipps klappt es!
# 4 Tage planen
Als Ansatz kann es helfen, für jeden Wochentag ein Thema festzulegen, welches sich dann durch die Adventszeit immer wiederholt, z. B. dieses Schema von Iris Mayr: Das heißt, ihr sucht euch vier Aktivitäten für jeden Wochentag aus, die ihr weit im Voraus oder ganz spontan vorbereitet. Eure Kids wissen dann schon, was sie an welchem Wochentag erwartet und die Vorfreude steigt.
- Montag – Musik: Ihr könnt ein wiederkehrendes Weihnachtslied zusammen singen und z. B. jede Woche eine andere Strophe behandeln. Toll dazu ist auch ein kleines Körbchen mit Instrumenten oder klanghaften Gegenständen, wie den Glöckchen oder selber gemachten Rasseln. Je nach Alter lässt sich das steigern: Kinder spielen das Lied mit dem Instrument etc.
- Dienstag – Bewegung: Überlegt euch vier verschiedene Übungen, die ihr euren Kids anbieten könnt, z. B. Hindernisparcours mit den Weihnachtssachen, von Filzstern zu Filzstern springen, (weihnachtliche) Tiere imitieren, Eierlauf mit Weihnachtskugeln ...
- Mittwoch – Übungen des täglichen Lebens: Hier können eure Kids ihre Fähigkeiten in alltäglichen Dingen üben: Schüttübungen, Löffelübungen, z. B. die Glöckchen ausschütten, löffeln, in eine kleine Flasche füllen oder durch einen Trichter geben.
- Donnerstag – Sinneswahrnehmung: Jetzt können eure Kinder sensorisch experimentieren, z. B. echte Tannenzweige, Vanille, Zimtstangen, Lebkuchen riechen in Gewürzdosen, Gegenstände fühlen und betrachten, Richtungshören mit Glöckchen.
- Freitag – Kreativangebot: Jetzt kommt es darauf an, wie weit euer Kind bastel-technisch gerade ist. Ihr könnt malen, Baumdeko ausschneiden, mit Fingerfarben malen, mit Knete und Salzteig basteln. Dazu lassen sich viele der Materialien integrieren: Keksausstecher als Malschablonen oder zum Ausstechen, Tannenzapfen dekorieren, Schleifchen kleben, Weihnachtskugel oder Glöckchen mit einem Blatt Papier und Farbklecksen in einen Schuhkarton geben und darin hin und herrollen, bis ein erstes Kunstwerk entsteht (schon für Babys eine tolle Idee).
- Samstag – Naturtag: Gebt euren Kids die Gelegenheit, sich draußen auszupowern oder achtsam die Natur im Winter zu entdecken: Tiere in der Jahreszeit betrachten und darüber sprechen, welche Rituale sie im Winter haben, fallende Blätter betrachten, wie verändern sich Wetter, Himmel, Pflanzen im Winter? Es können Kleinigkeiten auf dem Heimweg von der Kita sein wie Eis/Schnee fühlen oder Zapfen sammeln, oder echte Ausflüge, wie z. B. die Waldtiere an Weihnachten zu "besuchen".
- Sonntag – Achtsamkeitsübung: Übungen zum Innehalten sind eine tolle Gelegenheit, etwas Ruhe in die Weihnachtszeit zu bringen. Ihr könnt: zusammen ein Kerzenlicht betrachten, Weihnachtsmusik hören, eine Geschichte lesen, aber auch z. B. vorsichtig gehen und ein Glöckchen halten, ohne dass es glöckelt.
Der Kalender braucht weder stressig noch perfekt werden: Unsere Montessori-Expertin rät, ca. 10 min pro Tag einzuplanen und gerne zu tauschen, wenn uns und unseren Kindern die Laune nach einer anderen Aktivität steht. Oder auch mal was ausfallen zu lassen, schließlich geht es darum, dass es allen gut geht. Schon zwei bis drei Aktivitäten pro Woche schon eine aufregende Sache.
#5 Montessori-Gegenstände vorbereiten
Die Montessori-Spiele brauchen echt wenig Vorbereitung. Wer sich strikt an die Montessori-Lehre halten will, baut alles am Tag geordnet und ready to go für die Kinder auf. Alternativ lässt sich das auch gut mit den Kids zusammen machen – oder ihr besorgt einfach die Gegenstände und lasst eure Kinder selber entscheiden, wie sie sie verwenden möchten. Wenn ihr euch Sorgen wegen der Kindersichheit macht, könnt ihr verschluckbare Gegenstände natürlich auch weglassen. Ansonsten rät Iris Mayr:
"Bei Schüttmaterialien ist es bei Montessori immer wichtig, darauf zu achten, dass kleine Kinder nichts verschlucken. Deshalb ist es wichtig, mit dem Kind präsent in der Übung zu sein. So kann man das richtig gut begleiten und "gefährliche" Dinge verlieren auch ihren Reiz. So kann man gut Routinen einüben, wie man mit diesen Situationen umgeht."
#6 Schöne Montessori-Spielideen für den Kalender
Folgende Spiele eigenen sich toll für den Kalender:
- Tannenzweige: Toll für Sensorik-Spielideen wie durch die Finger ziehen, verbiegen, in die Schuhbox stecken, für Babys in Plastikflasche zum Schütteln und Anschauen geben, als Pinsel zum Malen verwenden
- Weihnachtskugeln: Nach Farben sortieren, durch die Küchenrolle stecken (dazu die Küchenrolle z. B. an den Türgriff in der Küche hängen), in einer Box zusammen mit Glöckchen hin und herrollen, für Babys und Kleinkinder zusammen mit einem Stück Papier und einem Klecks Farbe in eine Pappbox stecken, schließen und schütteln lassen für erste Weihnachtsbilder. Ältere Kinder können Farben zählen.
- Glöckchen: Klingeln lassen, mit Schaufeln/Löffeln in Schüsselchen schaufeln, nach Farben/Größen sortieren, auf einen Faden auffädeln, für Musikspiele (s.o.), in eine Plastikflasche oder dicke Glasflasche füllen.
- Geschenkbänder: Zum Fühlen, gekürzt und an den Kochlöffeln gebunden, toll für Babys als Mobile, Rassel und Sensorik-Spielzeug, zum Auffädeln von Gegenständen.
- Kochlöffel: Zum Trommeln (gerade für kleine Kinder sicherer als Trommelstäbe), als Greifspielzeug, ältere Kinder können Geschenkband und Glöckchen dranbinden.
- Gewürzbehälter: Frische Tannenzweige, Zimtstangen, Orangenschalen hineingeben und Kinder so sicher riechen und erforschen lassen, Glöckchen hineinstecken und rasseln lassen, zum Sortieren von Schleifchen verwenden.
- Orangenscheiben: In einen Schuhkarton mit Loch (oder Hocker mit Schlitz) stecken, auffädeln, riechen, bemalen.
- Keksausstecher: Auffädeln, nach Farben oder Formen sortieren, zählen, in Schuhkarton stecken, Salzteig oder Knete ausstechen, aus Schüssel mit Wasser herausfischen, Plätzchen backen.
Adventszeit ohne Stress-Alarm: So zaubert der Montessori-Kalender echte Weihnachtsmagie
Ein Montessori-Adventskalender ist die perfekte Ausrede, um im Dezember-Trubel einfach mal gemeinsam durchzuatmen! Statt jeden Morgen ein neues Plastikspielzeug auszupacken, das spätestens an Heiligabend vergessen ist, schafft ihr mit diesem Konzept schöne Erinnerungen. Und dabei könnt ihr komplett flexibel bleiben! Mal keine Zeit oder Lust auf die geplante Aktivität? Kein Problem – tauscht einfach oder lasst sie ausfallen. Wichtig ist nur, dass ihr Spaß habt und die gemeinsame Zeit genießt.
Mit den Jahren wird euer Montessori-Kalender sogar zu einer richtigen Familientradition, auf die sich alle freuen. "Weißt du noch, als wir letztes Jahr...?" wird zum Standardsatz in der Vorweihnachtszeit. Also, ran an die Glöckchen und Tannenzweige – und entdeckt, wie viel Weihnachtszauber in den einfachsten Dingen stecken kann.








