Hast du dich schon einmal gefragt, warum Menschen dir freundlicher und verbundener scheinen, wenn sie dir einen Gefallen tun? Oder warum du dich selbst einem Menschen gegenüber positiver fühlst, nachdem du ihm geholfen hast? Genau diese seltsame, aber mächtige Eigenart unseres Denkens hat einen Namen: der Ben Franklin Effect. Ein psychologisches Phänomen, das zeigt, wie wir Beziehungen auf subtile Weise stärken können – auch ohne große Worte oder Gefühle.
Der Ben-Franklin-Effekt trickst unser Gehirn aus
Traditionell denken wir: Wenn wir jemanden mögen, helfen wir ihm natürlich besonders gern. Beim Ben Franklin Effect passiert das Gegenteil: Wir helfen der Person, damit wir diese mehr mögen.
Das mag kontraintuitiv klingen, aber unser Gehirn sucht immer nach Erklärungen für unser Verhalten. Wenn wir jemandem geholfen haben, passt das besser zu der Überzeugung „Ich mag diese Person“, als zu „Ich mag diese Person nicht, aber ich helfe ihr trotzdem“. Um diese innere Unstimmigkeit aufzulösen, verändert unser Verstand oft die eigenen Gefühle – und schon wächst Sympathie.
Was das mit Benjamin Franklin zu tun hat
Der Effekt verdankt seinen Namen Benjamin Franklin, einem der Gründerväter der USA. In seiner Autobiografie erzählt er, wie er einen politischen Widersacher dazu brachte, seine Meinung über ihn zu ändern – nicht durch Argumente, sondern durch eine kleine Bitte: Er bat diesen Mann, ihm ein seltenes Buch zu leihen.
Nach dem Gefallen wurde der sonst distanzierte Rivale freundlicher, das Verhältnis besserte sich und später wurden die beiden sogar Freunde. Diese Anekdote ist zum klassischen Beispiel dafür geworden, wie ein einfacher Gefallen Beziehungen verändern kann. Und zwar nicht dadurch, dass Benjamin Franklin selbst aktiv war, sondern indem er den anderen um dessen Hilfe gebeten hat.
Die Psychologie dahinter
Kognitive Dissonanz
Unser Gehirn mag keine widersprüchlichen Gedanken. Wenn du also einem Menschen hilfst, den du vorher nur neutral oder sogar leicht skeptisch gesehen hast, entsteht ein innerer Konflikt zwischen „ich mochte ihn nicht“ und „ich habe ihm geholfen“. Um diese Unstimmigkeit zu lösen, denkt unser Geist: „Ich muss ihn wohl doch mögen.“ So entsteht echte positive Haltung, die vorher nicht da war
Selbstwahrnehmung
Wir ziehen Schlussfolgerungen über unsere Gefühle anhand unseres Verhaltens. Wenn du beobachtest, dass du jemandem geholfen hast, schließt du daraus: „Ich muss diese Person positiv sehen.“ Das beeinflusst, wie du sie wahrnimmst und wie du dich ihr gegenüber verhältst.
Der Benjamin-Franklin-Effekt im Alltag
Du musst keine Bücher ausleihen, um diesen Effekt zu erleben. Der Ben Franklin Effect kann aber häufiger eingesetzt werden, als du denkst: Kollegen oder Kolleginnen, die du um Rat bittest oder um Hilfe bittest, sehen dich meist positiver – und arbeiten lieber mit dir zusammen. Wenn du einen Bekannten regelmäßig um Rat bittest, entsteht echte Sympathie und du baust Wohlwollen und Vertrauen auf. Das hilft, damit aus losen Bekanntschaften echte Vertrauensfreundschaften werden.
Auch beim Networking hilft der Effekt: Wer um kleine Gefallen bittet, etwa um Input oder Empfehlung, baut oft ein stärkeres Netzwerk auf als jemand, der immer nur selber Hilfe anbietet und Dinge empfiehlt.
Wie du den Effekt nutzen kannst – ohne manipulativ zu sein
Der Schlüssel liegt in Ehrlichkeit und Respekt, nicht im Kalkül. Dein Gegenüber merkt es, wenn du mit deinen ständigen Fragen irgendetwas bezweckst. Das wirkt schnell unsympathisch. Ein paar praktische Tipps:
- Kleine Bitten wirken oft stärker: Es kann bedeuten, jemanden um Rat oder eine kleine Unterstützung zu fragen – das zeigt Vertrauen.
- Sei offen für Gegenseitigkeit: Wahre Verbindung entsteht, wenn beide Seiten etwas beitragen können und das auch wollen.
- Achte auf echte Wertschätzung: Das Gefühl, gebraucht zu werden, ist für viele Menschen ein starkes soziales Signal.
Mehr Nähe durch kleine Gesten
Der Ben Franklin Effect zeigt uns eines der überraschendsten Gesetze menschlicher Beziehungen: Gegenseitige Hilfe schafft Gefühle, nicht nur umgekehrt. Diese Erkenntnis kann Türen öffnen – im Alltag, im Job und in Freundschaften. Und das Beste daran? Du musst niemanden verändern und dich nicht komplett verbiegen – nur ein bisschen Mut haben, um Hilfe zu bitten und offen für gemeinsame Erfahrungen zu sein. Das kann ein großer Schritt hin zu ganz neuen sozialen Verbindungen sein.







