Kinder erleben ihre Ängste oft überwältigend intensiv – sei es vor dem Arztbesuch, der Schule, in großen Menschenmengen oder bei neuen Erfahrungen. Mit diesen 10 Sätzen kannst du deinem Kind helfen, diese schwierigen Gefühle zu bewältigen und ihm zeigen, dass Angst zwar normal ist, aber nicht die Oberhand behalten muss.
Wenn dein Kind von Ängsten überwältigt wird, ist der erste Impuls oft, die Situation schnell zu lösen oder die Panik zu beenden. Doch was Kinder in diesen Momenten wirklich brauchen, ist keine schnelle Lösung, sondern unsere Nähe und liebevolle Begleitung. Statt Erwartungsdruck aufzubauen („Du musst doch keine Angst haben!“ oder„Halb so wild!“), wirken Liebe, Verständnis und einfühlsame Worte wahre Wunder. Und bringen euch meist schneller durch die Situation, als ein Machtkampf, Diskussionen und Tränen.
#1 Sicherheit schenken
Wenn Kinds Angst haben, brauchen sie vor allem eines: das Gefühl von Sicherheit. Diese einfachen Worte vermitteln deinem Kind, dass es nicht allein ist und dass du als verlässlicher Anker da bist. Besonders in großen Menschenmengen oder unbekannten Situationen wirkt dieser Satz wie ein schützender Mantel. Du brauchst keine komplizierten Erklärungen, manchmal reicht diese simple Zusicherung, um die innere Unruhe zu beruhigen und deinem Kind zu zeigen: „Mit Mama oder Papa an meiner Seite kann mir nichts passieren.“
Es gibt viele tolle Kinderbücher, die Kids in stressigen Situationen unterstützen. Von Pädagog*innen häufig empfohlen und bei uns gerne im Einsatz ist "Sorgen und Ängste – So schaffe ich das!" von Usborne.
#2 Gedanken stoppen
Dieser Satz ist ein echter Zaubertrick für ängstliche Momente! Das gemeinsame Zählen lenkt die Aufmerksamkeit deines Kindes von seiner Angst weg und gibt ihm etwas Konkretes, worauf es sich konzentrieren kann. Gleichzeitig normalisiert sich dabei die Atmung, und das Gehirn bekommt eine kleine Auszeit vom Angstkarussell. Probiere es aus: „Komm, wir zählen langsam bis 20 – einatmen, ausatmen...“ Du wirst überrascht sein, wie effektiv diese einfache Übung sein kann, um den Körper deines Kleinen aus dem Alarmzustand zu holen.
#3 Gefühle befreien
Gefühle können beängstigend sein – es ist wichtig, unseren Kids zu zeigen, dass auch ihre unangenehmen Gefühle völlig normal sind. Mit diesem Satz gibst du deinem Kind die Erlaubnis, seine Emotionen anzunehmen, statt gegen sie anzukämpfen. Erkläre, dass auch Erwachsene manchmal nervös sind und dass diese Gefühle uns sogar helfen können, aufmerksamer zu sein. Wenn dein Kind weiß, dass es mit seiner Angst nicht „falsch“ liegt, nimmt das schon einen Teil des Drucks weg und öffnet den Weg für einen gesünderen Umgang mit diesen Gefühlen.
Was bei uns immer hilft ...
... und eine super Ablenkung ist: Eine kleine Geschichte, wie ich mich als Kind in einer beängstigenden Situation gefühlt habe, was geholfen hat und wie sie ausgegangen ist. Oder auch Anekdoten von anderen Familienangehörigen, wo vielleicht etwas nicht geklappt hat oder sie sich unerwartet verhalten haben. Das nimmt den Druck und ändert die Perspektive, dass dieser jetzige Moment ein bedrohlicher Ausnahmezustand ist.
#4 Perspektive wechseln
Noch ein toller Weg, um die Perspektive zu wechseln: Mit dieser Frage lenkst du den Fokus deines Kindes sanft auf die positiven Aspekte einer Situation. Statt sich auf mögliche Gefahren oder Unsicherheiten zu konzentrieren, beginnt dein Kind, über angenehme Erwartungen nachzudenken. Ob es der Spielplatz in der Schule, das Wiedersehen mit einem Freund oder ein besonderes Ereignis ist – dieser Satz hilft, eine Brücke von der Angst zur Vorfreude zu bauen. Die Magie liegt darin, dass du nicht die Angst leugnest, sondern deinem Kind hilfst, sie in einen größeren Kontext zu setzen.
Auch Nichtwissen kann Angst machen: Es kann gut helfen, dein Kind vorher auf die kommende Situation vorzubereiten. Im Video erklärt Checker Tobi, warum Nachfragen Kindern selbst oft so schwerfällt – und warum es so wichtig fürs Lernen ist.
#5 Kontrolle geben
Diese Frage gibt deinem Kind die Kontrolle zurück, die es durch die Angst verloren hat. Manchmal wissen Kinder genau, was ihnen helfen würde – sei es eine Umarmung, ein bisschen Abstand oder einfach nur, dass du ihre Hand hältst. Indem du fragst, zeigst du Respekt für die Bedürfnisse deines Kindes und vermittelst: „Deine Gefühle sind wichtig, und wir finden gemeinsam einen Weg.“ Diese Frage stärkt nicht nur die Bindung zwischen euch, sondern bestärkt dein Kind auch darin, auf seine innere Stimme zu hören und Selbstfürsorge zu üben.
#6 Hoffnung schenken
Kinder leben oft im Moment und können sich schwer vorstellen, dass unangenehme Gefühle vorübergehen. Dieser Satz vermittelt eine wichtige Lebenserfahrung: Nichts dauert ewig – auch nicht die Angst. Du kannst hinzufügen: „Erinnerst du dich, als du letztes Mal Angst hattest? Das ist auch vorbeigegangen, oder?“ So hilfst du deinem Kind, ein Gefühl für die Vergänglichkeit von Emotionen zu entwickeln und baust Vertrauen auf, dass es auch diesen Sturm überstehen wird.
#7 Kraft spenden
Dieser ermutigende Satz erinnert dein Kind an seine innere Stärke. Wichtig dabei: Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern trotz der Angst weiterzumachen. Wenn du deinem Kind sagst, dass es mutig ist, bestärkst du es in seinem Selbstvertrauen und seiner Widerstandsfähigkeit. Du könntest hinzufügen: „Weißt du noch, wie du beim letzten Mal deine Angst überwunden hast? Das war richtig mutig von dir!“ So erinnerst du dein Kind an frühere Erfolge und zeigst ihm: Es hat alles, was es braucht, um auch diese Herausforderung zu meistern.
#8 Gedanken ordnen
Manchmal ist das Aussprechen der Angst schon der erste Schritt zur Bewältigung. Dieser Satz öffnet einen sicheren Raum für dein Kind, seine Sorgen zu teilen, ohne Bewertung oder sofortige Lösungsvorschläge. Höre aufmerksam zu und bestätige die Gefühle: „Das klingt wirklich beunruhigend für dich.“ Oft sind die Ängste von Kindern aus Erwachsenenperspektive vielleicht unbegründet, aber für sie sind sie sehr real. Durch aktives Zuhören hilfst du deinem Kind, seine Gedanken zu ordnen und die Angst greifbarer zu machen.
#9 Fokus lenken
Wenn Kinder überfordert sind, kann dieser Satz wie ein Anker wirken. Er hilft ihnen, den Fokus zu verengen und sich nicht von allen Eindrücken gleichzeitig überwältigen zu lassen. In einer lauten Menschenmenge könnte das bedeuten, sich nur auf ein Gespräch zu konzentrieren. Bei einer neuen Erfahrung vielleicht nur auf den ersten Schritt. Diese Technik, den Moment in kleinere, bewältigbare Teile zu zerlegen, ist ein wertvolles Werkzeug, das dein Kind ein Leben lang nutzen kann.
#10 Strategie entwickeln
Dieser Satz gibt deinem Kind ein Gefühl von Kontrolle und Vorbereitung. Gemeinsam könnt ihr konkrete Schritte überlegen, wie es mit der angstauslösenden Situation umgehen kann. Zum Beispiel: „Was könntest du tun, wenn du dich in der Schule unwohl fühlst?“ Vielleicht ist es ein geheimes Zeichen zwischen euch, ein Atemritual oder ein besonderer Mutstein in der Tasche. Ein solcher Plan gibt deinem Kind Sicherheit und das Gefühl, nicht hilflos zu sein. Das Beste daran: Ihr entwickelt die Strategie gemeinsam, wodurch dein Kind lernt, selbst Lösungen für schwierige Gefühle zu finden – eine wertvolle Fähigkeit fürs ganze Leben.
Fazit: Verständnis und liebe Worte helfen durch ängstliche Zeiten
Angst gehört zum Leben dazu – auch zum Leben unserer Kinder. Mit einfühlsamen, beruhigenden Worten könnt ihr gemeinsam lernen, diese Gefühle zu akzeptieren und zu bewältigen. Das Ziel ist nicht, dass dein Kind nie mehr Angst hat oder besser kooperiert. Sondern dass es lernt, mit diesen Gefühlen umzugehen und trotz Unsicherheiten mutige Schritte zu wagen.
Diese Sätze sind wie kleine Werkzeuge für den emotionalen Werkzeugkasten eures Familienlebens – probiert sie aus, passt sie an und findet heraus, was für eure Kids am besten funktioniert.














