Weihnachten – das heißt für viele von uns blinkende Lichter, wir treffen uns zum Glühweintrinken und sind gesellig beisammen. Für Menschen mit Demenz ist dieser Zauber jedoch oft schwer greifbar und sie sind eher überfordert. Erinnerungen verschwimmen, vertraute Gesichter wirken fremd und der Orientierungssinn geht verloren. Doch eines bleibt: Emotionen. Und genau hier kann Weihnachten wieder zu einem kostbaren, warmen Erlebnis werden – für Betroffene und Angehörige gleichermaßen.
Mit Demenzkranken dürft ihr das Fest nicht übertreiben und müsst einiges umplanen. Ihr könnt ihnen aber eine schöne Zeit machen und am Ende erreichen, dass so manche Erinnerung wieder kommt.
„Kling, Glöckchen…“ – Mit vertrauter Musik vorsichtig Erinnerungen wecken
Alte Weihnachtslieder sind wie kleine Schlüssel, die Türen im Gedächtnis öffnen können. Spielt Musik aus der Jugend eurer Großeltern: Vinyl, CD oder eine Playlist mit alten Klassikern wie „Stille Nacht“ oder „O Tannenbaum“. Großeltern aus dem Osten hören vielleicht noch gern Frank Schöbels „Weihnachten in Familie“.
Sucht aber vor allem Liedgut heraus, dass aus der Kinder- und Jugendzeit der Betroffenen kommt, denn diese Zeit wird im Alter besonders zurückerinnert. Wenn eure Großeltern religiös waren und die Kirche bzw. Gemeinde ihnen wichtig war, dann könnten vor allem die religiösen Weihnachtslieder ihnen helfen, sich wohl zu fühlen. Dazu müsst ihr die Vorlieben gut kennen.
Aber verzichtet auf laute knallige Musik, es sei denn der- oder diejenige, hat das geliebt. Viele Demenzkranke können nichts mit lauten Geräuschen und Party anfangen und sind davon überfordert. Vielleicht hat in der Familie früher immer jemand an Weihnachten ein Instrument gespielt, dann wär das sicherlich eine Freude, wenn ihr das wiederbelebt, sollte einer aus eurem Kreise auch eines spielen.
Gemeinsames Singen war früher in vielen Familien an Weihnachten Tradition. Selbst wenn Oma und Opa glauben, dass sie den Text nicht mehr können, werdet ihr staunen, wie viel dann doch zurückkommt, wenn ihr gemeinsam singt – auch Melodien bleiben oft erstaunlich lange erhalten.
„Weihnachten riecht nach Zuhause“ – Düfte, die Geborgenheit schaffen
Duft ist einer der stärksten Erinnerungsträger überhaupt. Der Geruch von Tannengrün, Räucherkerzen, Plätzchen oder Orangen mit Nelken kann sofort ein Gefühl von Vertrautheit auslösen. Stellt eine Duftlampe auf, öffnet den Plätzchenofen oder zündet eine sichere Duftkerze an – und beobachtet, wie feine Reize kleine Wunder bewirken.
Allerdings solltet ihr sorgsam mit Räucherdüften umgehen. Denn es gibt auch in dem Alter Menschen, die bestimmte Düfte nicht gut vertragen. Daher ist auch hier Vorsicht geboten und man sollte es nicht übertreiben. Wenn so was Kopfschmerzen auslöst, erreicht ihr das Gegenteil eures Anliegens.
„In der Weihnachtsbäckerei…“ – Kulinarische Erinnerungen durch Essen aktivieren
Viele Menschen mit Demenz erinnern sich leichter an Geschmäcker als an Worte oder Ereignisse. Erinnerungen kommen über das Gefühl, an das sie sich erinnern und Essen ist ganz viel mit Gefühl verbunden. Meist erinnern sich ältere Menschen sehr gut an die Rezepte ihrer Kindheit. Fragt sie, was Weihnachten bei ihnen auf den Tisch kam? Wenn sie sich nicht mehr erinnern, könntet ihr alte Fotos ansehen oder aus einem alten Rezeptbuch vorlesen. Am ehesten werden mit Traditionsgerichten Erinnerungen geweckt und dabei Gefühle ausgelöst.
Serviert Klassiker wie Vanillekipferl, Bratapfel, Kartoffelsalat mit Würstchen oder den traditionellen Festtagsbraten. Aber kocht nicht zu fancy und zu kompliziert. Die einfachen familiären Traditionsrezepte sind es vorwiegend, an die man sich gern erinnert. Da muss kein Entenbraten mit Klößen auf den Tisch, wenn ihr so was noch nie gekocht habt.
Bezieht doch Oma und Opa in das gemeinsame Teigkneten oder Sauce machen mit ein. Solche Rituale schaffen Nähe und lassen weihnachtliche Gefühle ganz natürlich entstehen. Und ganz nebenbei kommen vielleicht so manche lustige Andekdoten von früher zum Vorschein.
„Weißt du noch…?“ – Weihnachtsfilme und Fotos aus früheren Zeiten
Weihnachten verbinden wir heutzutage häufig mit bestimmten Filmen oder Fernsehmomenten: „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, „Der kleine Lord“ oder Schwarz-Weiß-Klassiker. Auch manche Angehörige der Generation Boomer können damit noch etwas anfangen. Schaut doch gemeinsam ein altes DDR-Märchen oder einen Film, den eure Großeltern Weihnachten liebten, wie z.B. den traurigen Klassiker „Ist das Leben nicht schön?“
Auch alte Fotoalben, selbst gemachte Videos oder Dias können Erinnerungen an vertraute Menschen und Orte wachrufen – ohne Druck, ohne Abfrage. Einfach schauen, lächeln, fühlen. Und auch dabei kommen ältere Menschen manchmal dann ins Erzählen oder lächeln einfach selig in sich hinein ...
„Fühl mal!“ – Weihnachtliche Materialien als sinnliche Anker
Tasten spielt in der Erinnerung eine größere Rolle als man denkt. Weiche Wollsocken, ein Stück Tannenzweig, Christbaumkugeln, Holzfiguren aus der Krippe oder der warme Becher eines Kakao – all das sind taktile Erlebnisse, die beruhigen und verbinden. Eine „Weihnachtsfühlkiste“ kann ein wunderbares Ritual sein, besonders bei Unruhe oder Orientierungslosigkeit. Wenn ihr Oma und Opa im Pflegeheim besucht, könntet ihr solch eine Kiste mit weihnachtlichen Kleinigkeiten mitbringen und ihnen schenken. Das ist nur eine kleine Geste, die ganz viel bewirken kann.
„Ein kleines Leuchten“ – Lichter schaffen Orientierung und Wärme
Sanfte Beleuchtung wirkt beruhigend und vermittelt Geborgenheit. Eine warme Lichterkette, Kerzen im sicheren Glas oder ein leuchtender Stern im Fenster können eine Atmosphäre schaffen, die selbst ohne konkrete Erinnerung als angenehm wahrgenommen wird. Wichtig ist dabei aber: Übertreibt es nicht mit Blinkiblinki, sondern setzt die Beleuchtung für eure dementen Großeltern dezent ein. Wer flackerfreie, gedämpfte Lichter wählt, der meidet eine Reizüberflutung.
„Gemeinsam ist mehr als perfekt“ – Rituale liebevoll vereinfachen
Weihnachten ist in jeder Familie etwas anders. Es gibt aber Traditionen, die fortleben. Bei vielen Großeltern gab es früher gemeinsame Rituale, die ihr euch heute noch zelebrieren könnt, vielleicht etwas vorsichtiger und weniger pompös und eher langsam. Schmückt gemeinsam den Baum in dem Rahmen, der okay ist, lest euch gegenseitig Weihnachtsgeschichten vor oder singt Lieder. Wenn eure Familie religiös ist, dann könnt ihr gemeinsam einen Weihnachtsgottesdienst oder Adventskonzert in der Gemeinde besuchen, oder gemeinsam beten. Wenn euren Großeltern das wichtig ist und ihr auch dafür seid, dann wird ihnen das viel bedeuten, das mit euch zu teilen oder nochmal zu erleben.
Sollten sie gut zu Fuß sein, tut ein nachmittäglicher Spaziergang immer gut. Auch dabei könnt ihr einen Weihnachtsmarkt besuchen, wenn das nicht zu viel Trubel ist oder ihr geht nur ein paar Schritte in die ruhige Natur – je nachdem, was sich anbietet. Schaut auf jeden Fall, dass ihr euch nicht zu viel vornehmt, sondern es in kleinen Dosen anbietet. Ihr werdet ja sehen, ob dabei Freude aufkommt und was passiert. Letztlich sollte das Weihnachtsfest nicht nur ein Termin im Kalendersein, sondern ein Gefühl, dass wir miteinander teilen und erleben.









