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Psychologie: Warum ein negativer Kommentar zehn Komplimente übertönt

Mann und Frau mussten Kritik einstecken
© familie.de / Midjourney

Jemand sagt dir zehn nette Dinge – und ein einziger negativer Kommentar bleibt wie festgebrannt im Kopf. Kommt dir bekannt vor? Du bist damit nicht allein. Die Psychologie hat sogar einen Namen dafür: Negativitätsbias.

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Deine Chefin lobt dein Projekt, erwähnt aber nebenbei, dass die Präse etwas „knackiger“ hätte sein können – Bäm, genau das verfolgt dich noch Stunden später. Oder du postest ein Foto, bekommst diverse Likes und liebe Kommentare, aber eine einzige spitze Bemerkung sticht heraus und ruiniert dir für den Rest des Tages die Laune. Auch im Familienleben passiert das schnell: Viel Lachen beim gemeinsamen Abendessen, doch das eine kritische Wort vom lieben Ehemann oder das Augenrollen der Kinder bleibt hängen.

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Unser Gehirn zoomt wie von selbst auf das Negative – ein Urinstinkt, der bis heute wirkt. Aber warum? Der Negativitätsbias ist schuld.

Unser innerer Alarm aus der Steinzeit

Der Negativitätsbias ist quasi ein Steinzeit‑Feature unseres Gehirns. Früher war es eben fürs Überleben viel wichtiger, Gefahren möglichst schnell zu erkennen, als noch lange über diese eine wunderschöne Blume oder den guten Sex mit dem Steinzeit-Crush nachzudenken. Ein knurrender Wolf oder ein giftiger Pilz konnten schließlich tödlich sein – ein Kompliment vom Neandertaler nebenan eher nicht.

Dieses uralte Alarmsystem im Gehirn (die Amygdala, auch "Angstzentrale" genannt) speichert negative Informationen deshalb besonders gründlich ab.

Warum Kritik unter die Haut geht

Heute aktivieren nicht mehr unbedingt Wölfe und Supermarkt-Pilze unser Stresssystem, sondern kritische Worte. Eine Bemerkung, die wir in den falschen Hals bekommen, reicht aus, damit Puls und Blutdruck steigen, und unser Stresshormon Cortisol ausgeschüttet wird.

Das macht uns sofort hellwach – und sorgt dafür, dass solche Momente nicht nur körperliche Auswirkungen haben, sondern wie mit einem roten Marker in unserem mentalen Gedächtnis unterstrichen werden. Lob dagegen löst oft nur ein sanftes Wohlgefühl aus, das viel leichter wieder verblasst. Unser Kopf macht also automatisch aus jeder Kritik einen Big Deal. Das hat nichts mit dem falschen Mindset oder angeblicher Überempfindlichkeit zu tun.

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So trickst du dein Gehirn aus

Okay, wir können diese Negativitätsbias nicht komplett ausschalten. Trotzdem gibt es Tricks, um Positives in unserem Gedächtnis stärker zu verankern und besser wieder abrufen zu können:

  1. Lob bewusst wahrnehmen – nicht sofort abtun mit „Ach was, das ist doch nichts“, sondern innehalten, lächeln und kurz genießen.
  2. Positives festhalten – ein Dankbarkeits-Journal führt dir z. B. regelmäßig schwarz auf weiß vor Augen, wie viel Gutes tatsächlich jeden Tag passiert.
  3. Komplimente annehmen – einfach mal „Danke“ sagen, ohne sie direkt wieder kleinzureden.

Du entscheidest, was im Gedächtnis bleibt

Kritik wird wahrscheinlich weiterhin immer etwas lauter in deinem Kopf sein als Lob – das ist zum Teil eben Biologie. Aber du kannst lernen, die imaginäre Lautstärke von Lob ein bisschen hochzudrehen. Wenn du Positives bewusst feierst und festhältst, trainierst du dein Mindset eben doch. Und irgendwann wirst du merken: Gutes kann genauso lange im Kopf bleiben wie der eine blöde Kommentar.

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Easy Extra-Tipp: Leg dir einen kleinen „Feel Good“-Ordner auf dem Smartphone an, mit netten Nachrichten, Screenshots von Komplimenten, lustigen Fotos oder Bildern von schönen Momenten – super geeignet, um an grauen Tagen den Negativitätsbias auszutricksen. Wenn das nächste kritische Wort kommt, hast du ein Gegengewicht – und dein Gehirn fängt an, die Balance zu üben.