Wenn du zu lange allein warst, verändert sich etwas in dir. Still, schleichend, schmerzhaft. Manches merkst du erst, wenn du wieder unter Menschen bist. Und dann spürst du: Ich funktioniere – aber ich fühle nicht mehr. Diese sechs Angewohnheiten entstehen, wenn in entscheidenden Momenten niemand da war. Und sie tun mehr weh, als man denkt.
Es geht um diese leisen Erfahrungen, in denen du gelernt hast: Verlass dich besser auf dich selbst. Eine unsichtbare Schwere schleicht sich in deine Gedanken – und in deinen Alltag. Und irgendwann glaubst du, das sei normal. Dabei sind diese sechs Gewohnheiten nur eines: ein stiller Ruf nach Verbindung.
#1 Du ziehst dich zurück – obwohl du dich nach Nähe sehnst
Du hast gelernt, dich nicht mehr auf andere zu verlassen. Also bleibst du lieber in deinem sicheren Kokon. Da, wo dich niemand verletzen kann – aber auch niemand wirklich erreicht. Manchmal willst du reden. Aber du tust es nicht. Weil du denkst, es bringt eh nichts. Und dann fühlt sich selbst ein Raum voller Menschen einsam an.
Warum ein Einsamkeitsgefühl auch positiv sein kann, erörtert Anja Rützel auf humorvolle Weise in ihrem Buch „Lieber allein als gar keine Freunde“.
#2 Du kontrollierst alles – weil du niemandem vertraust
Wer alles allein stemmen musste, entwickelt ein Gespür für Kontrolle. Es ist wie ein Panzer: Wenn ich alles im Griff habe, kann mich nichts überraschen. Klingt logisch, ist aber unglaublich anstrengend. Weil Kontrolle keine Sicherheit ist. Sie ist Misstrauen in Verkleidung. Und dieses ständige Auf-der-Hut-sein lässt dich nicht zur Ruhe kommen – nie ganz.
Wie du lernen kannst, die Kontrolle abzugeben oder sogar loszulassen, erläutert Ulrich Hofmann in seinem Buch „(Außer) Kontrolle: Was wir beeinflussen können und was nicht – und wie wir lernen, damit umzugehen”.
#3 Du sagst nicht, was du brauchst – aus Angst, anderen zur Last zu fallen
Fragen? Lieber nicht. Wünschen? Auf keinen Fall. Wenn dich nie jemand wirklich gesehen hat, glaubst du irgendwann, dass du nichts brauchst – oder es eh nicht bekommst.
Dabei hast du Bedürfnisse, wie jeder Mensch. Aber du hast gelernt, sie herunterzuschlucken. Solange, bis du selbst nicht mehr weißt, was da eigentlich in dir fehlt.
Die Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf zeigt in diesem Buch, wie du deine innere Leere wieder füllen und dich selbst in Zeiten des Alleinseins vor Trostlosigkeit schützen kannst.
#4 Du glaubst, dass du nur zählst, wenn du funktionierst
Wenn niemand für dich da war, hast du gelernt: Du musst stark sein. Leise. Leistungsfähig. Am besten alles auf einmal – sonst bist du nichts wert. Diese innere Stimme ist laut und wiederholt traumatische Sätze, oft aus der Kindheit. Sie sagt: Reiß dich zusammen. Mach weiter. Sei dankbar. Und sie erstickt alles, was weich, bedürftig, menschlich ist.
Eva Wlodareks „Die Kraft der Wertschätzung" hilft dir dabei, Dinge an dir selbst (und anderen) wertzuschätzen, die nichts mit Leistung oder stumpfem Funktionieren zu tun haben.
#5 Du lässt niemanden richtig an dich ran
Du kannst charmant sein, witzig, anwesend – und innerlich trotzdem wie auf einer einsamen Insel sitzen. Weil du irgendwann erfahren hast: Nähe tut weh. Also spielst du die Rolle, die gerade gebraucht wird. Aber Nähe? Die echte, tiefe? Die lässt du nicht zu. Aus Schutz. Und aus Angst, dass niemand bleibt, wenn du dich wirklich zeigst.
Du möchtest an deiner Beziehungsangst arbeiten? Dann kann dir Ilse Sands „Die innere Mauer“ dabei helfen, mehr Nähe zuzulassen und zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen.
Wie unsere Kindheit beeinflusst, was wir heute sind, erklärt Psychologin Stefanie Stahl in unserem Video:
#6 Du fühlst dich falsch – selbst wenn alles gut ist
Es gibt diese Momente, da scheint alles in Ordnung. Und trotzdem spürst du diesen Kloß im Hals, dieses „Ich gehöre hier nicht hin“-Gefühl. Es macht traurig – aber du kannst es nicht erklären.
Denn wenn du lange allein warst, fühlt sich Geborgenheit fremd an. Du wartest auf den Moment, in dem alles kippt. Dabei sehnst du dich so sehr danach, dass es bleibt.
Für mehr Wohlbefinden unter schwierigen Grundbedingungen sorgt Julia C. Colellas beliebter Ratgeber „Resilienz – Seelenschokolade: Der Weg zu mentaler Stärke, Selbstbewusstsein und körperlichem Wohlbefinden“.
Wie du heilen kannst
Diese Verhaltensmuster machen dich nicht kaputt – sie zeigen, wie viel du getragen hast. Allein. Sie waren Schutz – damals. Aber du darfst sie heute ablegen. Stück für Stück. Du darfst wieder vertrauen, fühlen, fordern. Nicht alles auf einmal. Aber anfangen darfst du jetzt.
Bitte zögere nicht, dir professionelle Hilfe zu suchen, wenn dir alles zu schwer wird und du niemanden zum Reden hast. Bist du von Trauma betroffen, findest du bei der Telefonseelsorge unter 0800 1110111 Hilfe.








