Dein Kind bettelt um teure Turnschuhe, das neueste Smartphone oder einen Urlaub wie die Klassenkamerad*innen? Der Reflex vieler Eltern ist ein schnelles „Das können wir uns nicht leisten“. Doch genau dieser Satz kann fatale Folgen für die finanzielle Zukunft deiner Kinder haben. Finanzpsychologen warnen: Mit dieser Antwort programmierst du möglicherweise unbewusst zukünftige Geldprobleme vor.
Experten, wie CNBC-Autor und Mitglied im CNBC Digital Financial Advisor Council Brad T. Klontz, raten, diese Formulierung komplett aus dem Erziehungsvokabular zu streichen und stattdessen Gespräche über Geld zu einer wertvollen Lernerfahrung zu machen.
Warum „Wir können uns das nicht leisten“ eine Lüge ist
Die Wahrheit ist: In den meisten Fällen könntest du dir die Wünsche deiner Kinder tatsächlich erfüllen – wenn du bereit wärst, extreme Maßnahmen zu ergreifen. Du könntest einen Kredit aufnehmen, deine Kreditkarten ausreizen oder Besitztümer verkaufen.
„Es ist nicht ganz wahr, und Kinder spüren das“, erklärt Brad T. Klontz, Finanzpsychologe, Professor und zertifizierter Finanzplaner. „Seien wir ehrlich, wenn es dringend wäre, könnten Sie wahrscheinlich das Geld auftreiben.“
Wenn Mangel zum Überfluss führt – der gefährliche Bumerang-Effekt
Stell dir ein Kind vor, das niemals Süßigkeiten essen darf. Was passiert an seinem 18. Geburtstag? Genau – ein Zuckerrausch! Mit Geld verhält es sich ähnlich.
Kinder, die ständig hören, dass sich die Familie nichts leisten kann, entwickeln oft ein Gefühl finanzieller Knappheit. Sobald sie erwachsen werden und plötzlich Zugang zu Kreditkarten und Darlehen bekommen, kann die emotionale Reaktion sein: „Jetzt kann ich mir endlich all das holen, was ich nie haben durfte.“
Du suchst Tipps, wie du mit deinem Teenager über Geld reden kannst. Schaut doch zusammen mal in das Buch „Teens Finance – Das coole Finanz-Mitmachbuch für Teenager“
Der verpasste Lernmoment kostet mehr als Geld
Wenn dein Kind nach etwas Teurem fragt, bietet sich dir eine goldene Gelegenheit für wichtige Finanzlektionen. Anstatt das Gespräch abzuwürgen, kannst du erklären, warum bestimmte Ausgaben nicht im Budget sind und wofür ihr euer Geld ausgebt.
„Forschungen zeigen, dass Kinder, die zu finanziell kompetenten Erwachsenen heranwachsen, eher aus Familien stammen, in denen offen über Geld gesprochen wurde“, betont Klontz und fügt hinzu: „Diese Gespräche helfen Ihrem Kind, eine gesunde Beziehung zum Geld aufzubauen, anstatt eine, die auf Scham oder Mangel basiert.“
Was du stattdessen sagen solltest – die Macht der Transparenz
Versuche es mit diesem Ansatz: „Wir könnten das tun, aber wir haben uns entschieden, unser Geld stattdessen für diese Dinge auszugeben, und hier ist der Grund dafür.“
Erkläre dann deine Überlegungen. Vielleicht zahlst du Schulden ab, sparst für ein Eigenheim oder investierst für die Rente. Oder du hast dich bewusst entschieden, weniger zu arbeiten, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Oder es einfach wirklich nicht genug Geld da, um (teure) Extrawünsche zu finanzieren.
„Teilt eure familiären Geldwerte mit. Erklärt, was euch am wichtigsten ist“, rät Klontz. „Erklärt, wie Sparen, Investieren und durchdachte Ausgabenentscheidungen euch helfen, das Leben zu führen, das ihr euch wünschst.“
Vom Wunschdenken zur Finanzbildung – der kreative Umweg
Wenn dein Kind nach etwas völlig Unrealistischem fragt, wie einer Insel in der Karibik oder einem Lamborghini, nutze dies als Inspiration. Sprecht über Unternehmer*innen und Investoren*innen, die genug Vermögen aufbauen, um sich solche Träume zu erfüllen.
„Nutze es als Inspiration“, empfiehlt Klontz. „Sprich über Unternehmer und Investoren, die genug Vermögen aufbauen, um sich solche Träume zu erfüllen, und wie dein Kind auf große Ziele hinarbeiten kann.“
Kindern finanzielle Verantwortung beizubringen, ist gar nicht so einfach. Gut, dass es Ratgeber wie „Jetzt geht's ums Geld – einfach verstehen!“ gibt.
Warum Mangel-Denken zu finanziellen Problemen führt
Wenn Kinder mit dem Gefühl aufwachsen, dass Geld knapp ist, kann dies zu einem „Mangel-Mindset“ führen. Dieses Denkmuster kann später zu übermäßigen Ausgaben, Kreditkartenmissbrauch und lebenslangem finanziellem Stress führen. Vielleicht bist du selbst mit so einem Mindset aufgewachsen und erkennst erst jetzt, dass es überhaupt da ist. Du hast jetzt die Gelegenheit an deinen eigenen Mustern zu arbeiten, während du dafür sorgst, dass sie in deinem Kind gar nicht erst angelegt werden.
„Wenn du deinem Kind erklärst, warum du etwas nicht kaufst, ist das etwas anderes“, erklärt Klontz. „Anstatt den Glauben zu vermitteln, dass Geld knapp ist, kannst du dich darauf konzentrieren, ihnen beizubringen, warum du andere Dinge priorisierst.“
Beste Kritiken hat auch das Buch „Mein Geld, dein Geld“, um seinen Kindern bei Thema Finanzen unter die Arme zu greifen.
Ehrlichkeit statt Ausreden – der Schlüssel zur finanziellen Gesundheit
Wenn dein Kind das nächste Mal nach etwas fragt, das nicht in euer Budget passt, widerstehe dem Impuls zu sagen: „Das können wir uns nicht leisten.“ Nutze stattdessen die Gelegenheit, um über eure Familienwerte, Prioritäten und finanziellen Entscheidungen zu sprechen.
Diese offenen Gespräche werden deinem Kind helfen, eine gesunde Beziehung zum Geld aufzubauen und es auf ein finanziell verantwortungsvolles Leben vorzubereiten. Denn letztendlich ist die wertvollste Ressource, die du deinem Kind mitgeben kannst, nicht Geld – sondern die Fähigkeit, klug damit umzugehen.









