Was gibt es Schöneres als es sich bei gutem Wetter im eigenen Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon gemütlich zu machen? Doch wie wir unser "Außen-Wohnzimmer" gestalten, verrät nicht nur viel über unsere persönlichen Vorlieben, sondern auch eine ganze Menge über unseren sozialen Stand.
Denn ob wir uns einfach in den Plastikstuhl hauen oder uns selbst eine Outdoor-Lounge zimmern, den Basilikum aus dem Supermarkt in die Ecke stellen oder eine ausgeklügelte vertikale Begrünung pflegen, der Gartenzwerg der einzige akzeptierte Besucher ist oder wir alle Nachbar*innen zu uns einladen – all das können Indikatoren für unsere soziale Schicht sein. Lasst uns also mit einem Augenzwinkern einen Blick in eure verräterischen Gärten und Balkone werfen!
#1: Eigenes Grundstück oder Schrebergarten: Sag mir, wo deine Beete stehen und ich sage dir, wer du bist
In jeder Ecke deines Balkons stehen Tomaten- und Kräuterkübel? In deinen Garten- und Hochbeeten findet sich zu immer saisonales Gemüse? Und an den Bäumen hängen Kirschen, Äpfel, Nüsse? Wenn du Gärtnern liebst und den Garten als persönlichen "Supermarkt" nutzt, sagt das erstmal noch gar nichts über deine soziale Schicht aus.
Denn Studien zeigen, dass Gärten (sowohl private Hausgärten als auch Schrebergärten) für Menschen aus allen sozialen Lagen attraktiv sind. Die Gründe sind oft ähnlich: der Wunsch nach Naturerlebnis, Stressabbau und Selbstverwirklichung. Während Hausgärten logischerweise von Hausbesitzer*innen betrieben werden, die meist mindestens der Mittelschicht angehören, haben Schrebergärten historisch einen engen Bezug zur Arbeiterklasse und dienten deren Selbstversorgung und Erholung.
Dabei wird Gärtnern sogar ganz bewusst zum Abbau von Standesunterschieden benutzt: In städtischen Gebieten hat sich in den letzten Jahren besonders das "Urban Gardening" verbreitet. Diese Form des Gärtnerns spricht oft Menschen mit unterschiedlichem sozioökonomischem Hintergrund an und dient als Ort der Begegnung, des sozialen Austauschs und der Integration, z. B. in interkulturellen Gärten.
#2: Teure Setzlinge sind dir Bohne? Das sagt es über dich
Gemüseanbau ist also nicht an eine bestimmte soziale Schicht geknüpft. Doch es kann trotzdem "verräterisch" sein, was da in deinen Töpfen und Beeten wächst.
Wenn sich in deinen Beeten z. B. Zucchini, Kürbis und Buschbohnen finden, kann dies darauf hinweisen, dass du aus einer niedrigen Einkommensschicht stammst. Denn diese pflegeleichten Gemüsearten kosten als Setzlinge wenig und liefern später einen hohen Ertrag. Wenn beim Gärtnern der finanzielle Aspekt mit reinspielt, also das Sparen von Geld für Lebensmittel durch Selbstversorgung, kann das auf deinen sozialen Status hindeuten.
In deinen Beeten wachsen hingegen z. B. Ingwerwurzeln, spezielle Tomaten-Hybride, exotische Auberginen- oder Paprikasorten? Das sind Pflanzen, die hochpreisig in der Anschaffung und anspruchsvoll in den Wachstumsbedingungen sind. Es scheint dir beim Kauf also nicht aufs Geld anzukommen und du gehörst vermutlich eher der Mittel- oder Oberschicht an. Auch Bio- und Demeter-Jungpflanzen sind leider oft hochpreisiger als konventionelle Setzlinge und verraten eine*n "wohlhabende*n" Gärtner*in.
Gemüse, Beeren, Kräuter und essbare Blumen lassen sich auf schon kleinstem Raum anbauen. Um die Balkonernte zu optimieren, wird nach den einfachen Regeln der Permakultur gegärtnert. Wie das geht, verrät Valéry Tsimba in ihrem Buch.
#3: Funktionalität oder Ästhetik: Was ist dir wichtiger?
Du möchtest deine Terrasse begrünen aber bitte möglichst wenig Aufwand dafür haben? Dann hast du vielleicht sog. Bodendecker angepflanzt. Die winterharten Pflanzen sind extrem pflegeleicht und das Beste: Sie lassen schon nach kurzer Zeit kein Unkraut mehr durch. Wenn der Boden deines Beets also von Stauden oder immergrünen Pflanzen bedeckt ist, scheint dir Funktionalität wichtig zu sein.
Das sagt aber nichts über deine soziale Schicht aus! Denn einen pflegeleichten Garten wünschen sich ganz unterschiedliche Menschen, insbesondere Ältere und Berufstätige mit wenig Zeit. Auch Familien mit kleinen Kindern und Personen, die sich eine entspannte Erholung im Freien wünschen, bevorzugen pflegeleichte Lösungen, da sie den Arbeitsaufwand im Vergleich zu traditionellen Gärten minimieren.
Bei dir blühen hingegen Pflanzen auf "Botaniker-Level"? Du nennst also einen gepflegten Rosengarten dein eigen? Oder man blickt bei dir auf ein Meer aus Orchideen oder Hortensien? Aufwändiger in der Pflege geht es kaum. Du bist also entweder ein*e sehr passionierte*r Hobbygärtner*in mit hohen ästhetischen Ansprüchen oder aber du beschäftigst als Angehörige*r der Oberschicht Personal für deine Gartenanlage.
#4 Gartenmöbel: Worauf du "standesgemäß" sitzt
Bei dir geht "auf Balkonien" nichts über Plastikmöbel? Leicht, abwaschbar, wetterfest? Dann scheinst du auf jeden Fall Pragmatiker*in zu sein, doch verrät uns das auch deine soziale Schicht? Möglicherweise, denn einfache Kunststoffmöbel sind oft preisgünstiger als Möbel aus anderen Materialien, was sie attraktiv für Menschen mit kleinerem Budget macht. Ein Plastikstuhl "entlarvt" dich also möglicherweise als Angehörige*n der Arbeiterklasse.
Du fläzt dich auf deinem Balkon hingegen auf einer selbstgebauten Paletten-Lounge? Dann bist du wahrscheinlich ein junger Mensch, der Freude am kreativen Gestalten hat und sich individuelle Möbelstücke wünscht. Auch umweltbewusste Personen, die sich für Nachhaltigkeit und Upcycling interessieren, zimmern ihre Balkonmöbel gerne selber. Dass DIY gleichzeitig Geld spart, ist vor allem für Studierende, junge Familien oder andere Personen mit begrenzten finanziellen Mitteln attraktiv.
Nix da selbst gebaut, bei dir muss es der Designklassiker von Ludwig Mies van der Rohe sein? Das weist auf deinen hohen sozioökonomischen Status und ein entsprechendes Einkommensniveau hin. Du legst Wert auf Design, Ästhetik und Markenreputation und das soll ruhig auch jeder sehen. Fairerweise muss man aber auch sagen: Diese Möbel sind tatsächlich hochwertig, zeitlos und langlebig und psst, es gibt auch preisgünstige Alternativen.
#5: Verräterisches Brutzeln: Der Grill als Statusanzeige
Wozu hat man einen Balkon oder Garten, wenn nicht zum Grillen? So lange es erlaubt ist, gibt es doch nichts Tolleres als sein Würstchen, Gemüse oder Steak unter freiem Himmel zu brutzeln. Welchen Grill du dafür benutzt, verrät mehr über dich als du denkst!
Schnell einen Einweggrill im Supermarkt holen und dann nix wie drauf mit dem Grillgut? Wenn du auf den Discounter-Brutzler setzt, liegt das vermutlich daran, dass dein Balkon nicht genug Platz bietet, um hier dauerhaft eine Outdoor-Küche zu installieren. Die günstige Einweglösung kann daher ein Indikator für deine eher schwache soziale Stellung sein.
Du nennst hingegen einen Holzkohlegrill von Weber & Co. dein Eigen? Das zeigt, dass du bereit bist, für dein Grillvergnügen eine nicht ganz unerhebliche Summe zu investieren. Auch verfügst du wahrscheinlich über einen eigenen Garten, denn auf dem Balkon mit diesen Dingern zu grillen, ist in den meisten Mietshäusern verboten. Spricht also viel dafür, dass du zur Arbeiterklasse oder Mittelschicht gehörst.
Das ist dir zu poplig? Bei dir werden nur Steaks verzehrt, die davor den Rost eines Gasgrills mit App-Steuerung berührt haben? Um dir so ein teures Modell leisten zu können, musst du schon mindestens zur mittleren bis oberen Einkommensklasse gehören. Außerdem solltest du ziemlich technikaffin sein. Dafür bieten diese Grills dann auch ein Maximum an Komfort, Präzision und die Möglichkeit zur Überwachung per Fernsteuerung. Luxus pur eben und ein absolutes Statussymbol.
#6: Stilsymbolik: Was sie über dich verrät
Du liebst Gartenzwerge? Die Kleinen mit der Zipfelmütze sind der Inbegriff für ein verstaubtes Deutschland. Wegzudenken sind sie trotzdem nicht. Seit den 1970ern wird der Gartenzwerg oft ironisch, manchmal provokant inszeniert. Wenn du die Gnome also in deinem Garten aufstellst, bist du entweder ein konservatives Mitglied des (Spieß-)Bürgertums oder intellektuelle*r, kulturkritische*r Bildungsbürger*in. Deine Gartenzwerge sind dann vermutlich nackt, zeigen den Mittelfinger oder leuchten schrill.
Statt einem Zwerg hat ein Buddha bei dir Einzug gehalten? Die buddhistische Figur steht schichtübergreifend als Symbol für Ruhe, Weisheit und Gelassenheit, insbesondere als Meditationsbegleiter oder im Zusammenhang mit Feng Shui. So kann beispielsweise eine Statue im "Reichtumsbereich", also im Südosten des Gartens, angeordnet werden, um finanziellen Überfluss anzuziehen. Kann aber auch sein, dass du gar nicht spirituell bist, sondern der Buddha für dich einfach Gemütlichkeit ausstrahlt.
Buddhas und Zwerge sind dir gleichermaßen ein Gräuel? Wenn überhaupt, kommen auf deinem Balkon höchstens ausgesuchte Einzelstücke zum Einsatz, die am Besten zusätzlich einen funktionalen Zweck haben, also z. B. Leuchten? Minimalist*innen gehören ganz verschiedenen Einkommens- und Bildungsschichten an. Laut einem Artikel der Rheinischen Post möchten sich vor allem jüngere Menschen von "spießigen Dekotrends" abgrenzen. Geld zu sparen, ist bei dieser Art des Minimalismus kein Kritierium.
#7: Exklusiv oder für alle offen: Stereotype Nutzung
Dein Balkon oder Garten sind dir heilig und du nutzt sie als Rückzugsort, um Ruhe und Erholung zu finden? Klar, für größere Grundstücke mit einer luxuriöseren Gartenanlage und z. B. einem Gartenhaus, das als Atelier oder Ruhezone dient, brauchst du das nötige Kleingeld. Aber mit einem geeigneten Sichtschutz ist eine grüne ruhige Oase sogar auf dem Mini-Balkon im Hochhaus oder im winzigen Garten möglich. Der Balkon als Rückzugsort ist also kein Marker für eine bestimmte soziale Schicht.
Du fläzt dich in deiner funkelnden Badehose auf dein Daybed? Der Edelstahl-Gasgrill funkelt in der Sonne? Wäre doch schade, wenn das keiner sieht! Dein Balkon oder Garten dienen dir als Statussymbol für dein tolles Leben, deinen durchtrainierten Body, dein teures Hab und Gut. Dann gehörst du vielleicht zu den sog. "Neureichen", für die Protzen ein Teil ihres Lifestyles ist.
Du nutzt einen Gemeinschaftsgarten? Es gibt nichts Besseres, um soziale Unterschiede aufzulösen! Denn wie eine Umfrage der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL und des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) ergeben hat, sind Gemeinschaftsgärten eine fantastische Möglichkeit, Menschen unterschiedlicher Schichten kennenzulernen und das Gefühl der Zughörigkeit zu fördern. Auch viele Freund*innen in seinen Garten einzuladen, erhöht die Lebensqualität.
#8 Englischer Rasen oder Blumenwiese: Wie steril ist deine Herkunft?
Du kürzt deinen englischen Rasen sozusagen mit der Nagelschere? Bei dir liegt nirgends auch nur ein Blatt, geschweige denn es kommt Unkraut aus den Fugen? In etablierten bzw. großbürgerlichen Schichten gelten der perfekt gepflegte Rasen und ein formaler, repräsentativer Garten als traditionelles Statussymbol, das Wohlstand, Ordnung und die Möglichkeit, professionelle Pflege zu bezahlen, signalisiert.
Du hast eine bienenfreundliche Blumenwiese gesät? In der einen Ecke findet sich ein großer Laubhaufen für Igel, in der anderen dürfen Brennnesseln sprießen und selbstverständlich dampft der eigene Kompost? In bildungsbürgerlichen Kreisen, besonders im urbanen Raum, dient zunehmend der naturnahe, ökologische oder "wilde" Garten als Distinktionsmerkmal und Statussymbol. Hier wird nicht der perfekte Rasen, sondern vielmehr Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit zur Schau gestellt.
Wie wir gesehen haben, sind Balkon und Garten insbesondere im städtischen Kontext ein Statussymbol für jene, die sich diesen privaten Freiraum leisten können. Die Art der Gestaltung spiegelt dabei unterschiedliche Lebensstile und Werte wider, die nicht mehr nur durch das Einkommen, sondern auch durch Bildung und kulturelle Orientierung bestimmt werden. Und nicht zuletzt natürlich auch immer durch den ganz eigenen persönlichen Geschmack.










