Kennst du das Gefühl, ständig für alle da zu sein, nur nicht für dich selbst? Zwischen Kinderbetreuung, Haushalt, Job und sozialen Verpflichtungen bleibt oft keine Zeit zum Durchatmen. Der Grund: Wir sagen zu oft Ja, wenn wir eigentlich Nein meinen. Dabei ist die Fähigkeit, Grenzen zu setzen, entscheidend für unser Wohlbefinden und unsere Selbstbestimmung.
Vielen von uns fällt es schwer, Nein zu sagen. Wir wollen niemanden enttäuschen und immer für alle da sein – besonders für unsere Kinder, Partner und Freunde. Aber wer nie Grenzen setzt, ist irgendwann total erschöpft. Das muss nicht sein! Nein sagen kannst du lernen, und zwar, ohne dass gleich alle sauer auf dich sind. Mit diesen acht einfachen Schritten klappt's!
#1 Wofür willst du eigentlich Zeit haben?
Bevor du Nein sagen kannst, musst du wissen, was dir wirklich wichtig ist. Ist es mehr Zeit mit den Kindern? Endlich mal wieder ein Hobby? Oder einfach mal eine Stunde Ruhe für dich? Mach dir eine kleine Liste mit drei bis fünf Dingen, die dir am wichtigsten sind. Wenn dann jemand etwas von dir will, schau auf deine Liste: Passt die Anfrage dazu oder nimmt sie dir die Zeit für deine wichtigen Dinge?
#2 Sag freundlich Nein – ohne schlechtes Gewissen
Ein Nein muss nicht gemein klingen. Sag zum Beispiel: "Danke, dass du an mich gedacht hast" oder "Schön, dass du mich fragen wolltest". Dann kommt dein Nein: "Aber leider kann ich das nicht übernehmen." So zeigst du: Du magst die Person, lehnst aber nur die Bitte ab.
Bei Kindern kannst du sagen: "Ich hab dich lieb, aber diesen Wunsch kann ich dir nicht erfüllen."
#3 Kurz erklären – ohne dich zu rechtfertigen
Du darfst kurz sagen, warum du ablehnst. "Ich habe heute schon zu viel auf meiner Liste" oder "Das passt gerade nicht in meinen Zeitplan" reicht völlig. Du musst dich nicht entschuldigen oder lange erklären. Bleib ehrlich – Ausreden fallen später oft auf die Füße. Ein einfaches, ehrliches Nein wird meistens besser akzeptiert als komplizierte Ausflüchte.
#4 Übe Nein sagen – fang klein an
Wie beim Sport wird man auch beim Nein sagen durch Übung besser. Starte mit einfachen Situationen: Lehne die zusätzliche Aufgabe im Elternbeirat höflich ab oder sage Nein, wenn die Nachbarin schon wieder möchte, dass du ihre Pakete annimmst. Klingt komisch, aber hilft wirklich: Übe verschiedene Formulierungen, während du Auto fährst oder unter der Dusche stehst. "Tut mir leid, das schaffe ich nicht" oder "Danke fürs Fragen, aber diesmal nicht". Mit jeder kleinen Übung wird dein "Nein-Muskel" stärker, und bald fällt es dir auch in wichtigeren Situationen leichter.
Gute Tipps findest du auch im Buch "Nein sagen & Grenzen setzen – Das Geheimnis wahrer Selbstliebe" von Maria Riedel und das Arbeitsheft "Nein sagen: Mein Übungsbuch für mehr Selbstbewusstsein und Freiheit" von Petra Kunze hilft super bei der Umsetzung.
#5 Bleib bei deinem Nein – auch wenn's schwer wird
Manche Menschen versuchen, dich zu überreden, wenn du Nein sagst. Sie betteln, argumentieren oder werden sogar sauer. Bleib trotzdem freundlich, aber fest: "Ich verstehe, dass du enttäuscht bist, aber meine Entscheidung steht." Du kannst auch mit einem Lächeln sagen: "Du gibst nicht so leicht auf, was? Ich aber auch nicht!" So bleibst du bei deinem Nein, ohne gemein zu wirken.
Mit vielen Aufgaben geht auch ein enormer Mental Load Hand in Hand. Im Video zeigen wir dir Auswege:
#6 Komm Bitten zuvor – setz Grenzen von Anfang an
Bei Menschen, die ständig was von dir wollen, hilft es, schon vorher klare Ansagen zu machen. Im Privatleben kannst du zu Freundinnen sagen: "Ich kann diesen Monat leider keine spontanen Treffen einplanen, weil wir die Einschulung vorbereiten." Oder zu Verwandten: "An den Wochenenden brauchen wir aktuell viel Zeit als Familie – wir melden uns, wenn wir wieder Besuch einplanen können."
Bei der Arbeit kannst du mit deiner Chefin sprechen: "Ich arbeite gerade an diesen drei wichtigen Projekten. Wenn etwas Neues dazukommt, was können wir dafür weglassen?" Auch in der Kita oder Schule darfst du Grenzen setzen: "Bei diesem Elternabend kann ich dabei sein, beim Sommerfest helfe ich beim Auf- oder Abbau, aber nicht bei beidem." So hast du es später leichter, Nein zu sagen.
#7 Verpasst du was? Nein, du gewinnst etwas!
Kennst du die Angst, etwas zu verpassen, wenn du Nein sagst? Aber dieser Gedanke lässt sich auch umdrehen: Jedes Nein schenkt dir etwas Wertvolles zurück. Wenn du den Kuchen für den Schulbasar nicht backst, hast du vielleicht einen entspannten Filmabend mit der Familie. Sagst du Nein zur Überstunde, kannst du pünktlich beim Fußballspiel deines Kindes sein. Und wenn du die WhatsApp-Gruppe der Eltern mal stumm schaltest, gewinnst du kostbare Ruhe für dich.
Frag dich bei jeder Anfrage: "Was schenke ich mir selbst, wenn ich hier Nein sage?" So wird aus dem Gefühl des Verzichts ein Gefühl des Gewinns.
#8 Sei mutig – dein Wohlbefinden ist wichtig
Nein sagen braucht Mut, besonders wenn du es nicht gewohnt bist. Vielleicht hast du Angst, dass andere dich nicht mehr mögen oder denken, du bist egoistisch. Diese Sorgen sind normal! Aber denk daran: Wenn du immer nur Ja sagst, wirst du irgendwann so erschöpft sein, dass du für niemanden mehr richtig da sein kannst. Dein Wohlbefinden ist wichtig – für dich und für alle, die dich lieben.
Fazit: Dein Nein macht Platz für dein wichtigstes Ja
Nein sagen ist kein Egoismus, sondern Selbstfürsorge. Wenn du deine Grenzen kennst, hast du mehr Energie für die Dinge, die dir wirklich am Herzen liegen. Du wirst entspannter, geduldiger und letztlich auch für deine Familie und Freunde angenehmer. Denn es tut niemandem gut, wenn du ausgelaugt und genervt bist. Fang heute mit einem kleinen Nein an – jedes Mal wird es leichter. Und denk daran: Dein Nein zu unwichtigen Dingen macht Platz für dein großes Ja zum Leben!











