Balkonkraftwerke sind relativ günstig, aber eine große Solaranlage auf dem Dach ist eine teure Anschaffung. Lohnt sich das eigentlich, oder beruhigt man damit nur sein Gewissen? Wir möchten euch von rund einem Jahr Erfahrung mit Dach-Photovoltaik berichten – und können schon jetzt verraten: Ja, das lohnt sich definitiv!
Wie es angefangen hat – Anschaffung einer Solaranlage
Anfang 2024 haben wir uns entschieden, eine Solaranlage auf das Dach unseres Hauses setzen zu lassen. Die Corona-Zeiten und der daraus resultierende Preisanstieg für die Energieversorgung haben den letzten Ausschlag gegeben – über 200 € pro Monat wollten wir für Strom nicht länger zahlen. Also fingen wir an, zu recherchieren und Preise zu vergleichen.
Herausgekommen ist eine 8,6 kWh-Anlage mit einem 5 kWh-Speicher-Akku. Das bedeutet, die Anlage könnte bei optimalem Sonnenstand pro Stunde rund 8,6 kW Strom erzeugen und für den späteren Verbrauch 5 kW in einem Akku zwischenspeichern.
Solche Leistungswerte müsst ihr allerdings betrachten wie den angeblichen Benzinverbrauch von Autos: Das könnte rein theoretisch unter idealen Bedingungen passieren, ist aber eigentlich unrealistisch. Doch das ist auch gar nicht schlimm, denn wir verbrauchen zu keiner Zeit so viel Strom.
Unser Jahresverbrauch liegt für einen Zweipersonenhaushalt relativ hoch bei etwa 4.000 kW. Bei unseren Überlegungen ging es uns darum, möglichst viel selbst erzeugten Strom auch selbst zu verbrauchen, wenig Strom bei einem Erzeuger „dazukaufen“ zu müssen und den Überschuss bezahlt zu bekommen.
Um das zu erreichen, haben wir eine eigentlich überdimensionierte Anlage aufs Dach setzen lassen, denn wir wollen auch in den sonnenschwachen Monaten noch eigenen Strom erzeugen.
Kleiner Einschub: Wie funktioniert das eigentlich mit Solaranlagen, Akkus und Verbrauch?
- Die Photovoltaikelemente sitzen auf dem Dach und sobald der Lichteinfall stark genug ist, produzieren sie Strom – die Menge ist abhängig von der Lichtstärke. Im Dezember ist es manchmal erst ab 9.00 Uhr hell genug, um eine kleine Menge Strom zu produzieren. Im Sommer geht es früh los und um spätestens 9.00 ist der Speicher bereits vollgeladen.
- Durch die eigentlich überdimensionierte Menge an Solar-Modulen produziert unsere Anlage auch in den Wintermonaten noch rund 20 bis 30 % unseres Strombedarfs, während im Sommer viel Energie ins öffentliche Netz eingespeist wird – gegen Bezahlung.

Ein Nachmittag im November: Es wird kaum noch Strom produziert, also springt der Akku ein. (© Bildquelle: Screenshot familie.de / Marco Kratzenberg)
- Der Stromspeicher, ein riesiger Akku, ist nicht dazu gedacht, Strom für schlechte Zeiten zu speichern. Das ist unmöglich, denn die 5 kW decken nicht einmal die Hälfte unseres Tagesbedarfs. Vielmehr geht es darum, einen eventuellen Tagesüberschuss in den Abend- und Nachtstunden selbst zu verbrauchen. Im Winter ist er oft schon gegen 2.00 Uhr in der Nacht leer, im Sommer hat er dagegen häufig noch 30 % Ladung, wenn die Anlage wieder anfängt zu produzieren.
- Unser Verbrauchsverhalten hat sich auch geändert. Die Waschmaschine oder Spülmaschine wird nicht mehr in der Nacht gestartet, sondern bevorzugt, wenn die Sonne scheint. Dadurch nutzen wir eigene Stromüberschüsse, anstatt sie billig einzuspeisen.
- Merke: Der beste selbst produzierte Strom ist der selbst verbrauchte Strom.
Der Aufbau und der erste Sommer
Wir haben uns vorher über die technischen Möglichkeiten informiert, uns bestimmte Wunschkonfigurationen ausgesucht und dann verschiedene Angebote eingeholt. So viel Arbeit sollte man sich machen, bei uns ging es schließlich zum Beispiel um einen Betrag von 16.500 €.
In diesem Betrag waren auch die Leistungen eines Elektrikers enthalten, der in unserem Altbau-Keller einen neuen, VDE-konformen Sicherungsschrank aufbauen musste. Einen nötigen Zweirichtungszähler hatten wir zum Glück schon – aber selbst der musste später durch den Energieversorger ausgetauscht werden, damit eingespeister Strom abgerechnet wird.
An einem schönen Morgen kamen vier Personen und bauten ein Gerüst auf, schleppten Halterungen, Kabel und Solar-Module aufs Dach sowie einen schweren Akku in den Keller. Am Abend war alles verkabelt und ein Probelauf zeigte, dass die Anlage fehlerfrei funktionierte. Aber wir durften sie noch nicht nutzen, denn dazu bedarf es einer Erlaubnis vom Versorger, die in Form eines Abnahmevertrags für den überschüssigen, eingespeisten Strom kommt. Die ordnungsgemäße Anmeldung erfolgte durch die Solaranlagen-Firma.
Nicht lange danach durften wir Strom produzieren und ihn auch nutzen. Die Kombination aus Anlagenleistung und Akku stellte sich als gut gewählt heraus. Unser Dach hat nicht die überall als ideal propagierte Südausrichtung, sondern weist nach Westen und Osten – und das ist gut so, da wir damit vom frühen Morgen bis zum Abend einigermaßen gleichmäßig Strom erzeugen.
Alternativ könnt ihr euch Solarstrom auch über ein Balkonkraftwerk sichern. Hier erfahrt ihr, wie:
Lohnt es sich? Ja!
Lassen wir 2024 mal außer Acht und betrachten nur das Jahr 2025 von Januar bis zum heutigen November:
- Durch die Anlage produzierter Strom: 7,26 MWh
- Selbst verbrauchter Strom: 2,77 MWh
- Hinzugekaufter Strom: 735,6 kWh (zirka 0,33 € pro kWh)
- Eingespeister Strom: 4,49 MWh (0,08 € pro kWh)

Von Januar bis November hat die PV-Anlage mehr als doppelt so viel Strom erzeugt, wie verbraucht wurde. (© Bildquelle: Screenshot familie.de / Marco Kratzenberg)
Bei einem Strompreis von etwa 0,33 € (Nebenkosten mal außen vor gelassen) haben wir also dieses Jahr etwa 914 € Stromkosten eingespart. 243 € müssen wir an den Stromversorger bezahlen, aber wir bekommen noch rund 580 € steuerfrei für den eingespeisten Strom zurückbezahlt.
Unterm Strich hat uns die Anlage dieses Jahr also 1.250 € gebracht. Rechnerisch mussten wir gar nichts für den Strom bezahlen und wenn das so bleibt, hat sich die Anlage in etwa 13 Jahren amortisiert.
Betrachtet man nun noch realistisch die Entwicklung der Strompreise und der bisherigen Jahreskosten bei unserem Verbrauch, wird sich diese Anlage noch deutlich früher bezahlt machen. Ein Teil der Strompreis-Nebenkosten ist verbrauchsabhängig und so sinkt die Jahresrechnung durch den Eigenverbrauch noch mehr.

Unser Fazit zur „dicken Solaranlage“ auf dem Hausdach
Bei all diesen technischen und rechnerischen Betrachtungen habe ich bislang einen uns wichtigen Faktor nicht beleuchtet: Die Preisersparnis auf lange Sicht war uns wichtig, aber ebenso sehr liegt uns eine nachhaltige, umweltschonende Stromerzeugung am Herzen.
Meine App verrät mir, dass unsere Anlage seit Inbetriebnahme etwa 4 t Kohle und 5 t CO₂ eingespart hat, was angeblich sieben neu gepflanzten Bäumen entspricht. Was an diesen Rechnungen dran ist, weiß ich nicht. Aber ich bin mir sicher, dass wir mit der Anlage einen winzigen Teil der Umweltschäden ausgeglichen haben. Davon abgesehen freut sich der alte Westentaschen-Revoluzzer in mir darüber, dass die Mega-Stromkonzerne durch uns Sonnenanbeter etwas weniger Gewinn machen.


