Das Weihnachtsfest lebt von Traditionen und Ritualen. Und dabei orientieren wir uns auch vor allem an den Generationen vor uns. Wer Weihnachten liebt, der verbindet damit vor allem eines: ein warmes Gefühl von zu Hause und Familie. Nicht selten erinnern wir uns dabei an unsere Kindheit zurück. Denn unsere Boomer-Eltern haben uns ja vorgelebt, wie schön und festlich ein Weihnachtsfest sein kann und welche Werte dabei zählen. Und auch wenn wir heute in Sachen Festtagsbraten, Geschenke oder Abläufe häufig anderer Meinung sind, gibt es viele Weihnachtstraditionen, die wir der älteren Generation zu verdanken haben. Dafür sagen wir euch Boomern gern „Danke schön“!
Weihnachtsmärkte besuchen
Man kann ja sagen, was man will, aber Weihnachtsmärkte boomen weiterhin. Sobald die ersten Märkte offen sind, lockt es alle Generationen zu Glühwein, Quarkbällchen, Flammlachs und Würstchen. Es kommen jährlich viele Touristen extra nur deswegen nach Deutschland, um unsere bekannten und schönsten Märkte zu besuchen. Darunter sind viele junge Menschen der Gen Z bis Gen Y. Der Weihnachtsmarkt ist ein Ort, wo sich Boomer und Jüngere gern treffen und den sie beide mögen.
Wenn ihr es etwas humorvoller betrachtet, dann lest mal, wie meine Kollegin Jennifer an eurem Weihnachtsmarktverhalten ablesen kann, aus welcher sozialen Schicht ihr kommt.
Krippenspiel und/oder Weihnachtsgottesdienst
Eine wichtige Weihnachtstradition am Heiligen Abend ist für viele auch das Krippenspiel. Ich selber bin nicht religiös aufgewachsen und nicht gläubig. Dennoch schaue ich mir gern ein Krippenspiel an Weihnachten an, weil es eine schöne Geschichte erzählt und es mir irgendwie ans Herz geht, mit wie viel Liebe sich Gemeindemitglieder da einbringen und das darstellen. Und auch wenn ich bei weitem kritisch zur Kirche und der ganzen Bibel-Thematik stehe: Die Weihnachtsbotschaft von Jesus geht ans Herz und man kann sich daraus auf jeden Fall etwas mitnehmen.
Nicht umsonst sind an Weihnachten die Kirchen weiterhin gut gefüllt und man bekommt kaum einen Platz zum Weihnachtsgottesdienst. Es passiert irgendwas mit den Menschen, die sich gemeinsam an Weihnachten in der Kirchgemeinde treffen und über Werte wie soziales Miteinander, Frieden und Barmherzigkeit sinnieren. Wer Weihnachten in die häufig fremden Gesichter schaut, erkennt, dass davon wirklich jeder berührt wird .... Und welches „Theaterstück“ schafft das schon?!
Weihnachtsbaum schmücken
Man munkelt vielerorts, der Trend geht eher zum modernen Weihnachtswandschmuck oder nachhaltigen Alternativen. Dennoch sieht man in Millennialhaushalten an Weihnachten immer noch überdurchschnittlich viele echte Tannenbäume. Diese alte Tradition eine Weihnachtstanne aufzustellen und zu schmücken lassen sich viele Familien nicht nehmen. Meine Tochter wäre krass enttäuscht, wenn ich sage, dass wir dieses Jahr den Baum abschaffen. Nicht nur, dass es einfach schön in einem Wohnzimmer aussieht, wenn ein Baum darin steht und die Geschenke darunter liegen.
Er symbolisiert fürs uns das Weihnachtsfest wie kaum etwas Anderes. Vielleicht auch nur deswegen, weil wir dank unserer Boomer-Eltern so aufgewachsen sind und sie uns das vorgelebt haben. Da sieht man mal – viele von uns lehnen nicht alles ab, was unsere Vorfahren an Traditionen aufgebaut haben.
Wenn Generationen an Weihnachten aufeinander treffen, liegt aber auch viel Konfliktpotential in der Luft. Psychologin Stefanie Stahl hat für euch einen guten Tipp, wie ihr einander besser begegnet:
Der Heiligabend-Spaziergang
An Heiligabend ist es in vielen Familien, die ich kenne, immer noch üblich einen Spaziergang zu machen. Es kommt meist darauf an, ob die Familie in die Kirche geht und zum Krippenspiel, dann fällt er vielleicht manchmal aus oder man spaziert zur Gemeinde zusammen. Aber viele gehen nachmittags als Familie auf jeden Fall zusammen raus.
Da sieht man auch schon mal Oma, Opa, kleine Kinder und Tante und Onkel. Je nachdem wie groß man feiert und wer sich an Weihnachten so trifft. Der gemeinsame Spaziergang ist ein schönes Ritual. Auch wenn die Kleinsten dabei mit allem, was Räder hat, teilnehmen – sie sind dabei.
Die Heimlichkeit um die Bescherung
Bescherung, also das Verteilen der Geschenke, ist für unsere Eltern ein heiliger Akt gewesen. Er läuft meist nach einem Ritual ab, dass wir vielleicht heute anders zelebrieren. Aber viele von uns versuchen dieses besondere Heimlichkeitsgefühl von früher immer noch für ihre Kinder zu bewahren. Wenn das auch echt schwer ist!
Wir wussten natürlich damals, dass Mama und Papa die Geschenke unter den Baum legen und nicht der Weihnachtsmann durch den Kamin fällt oder das Christkind nochmal vorbeikommt (also die meisten von uns). Aber so ein wenig Heimlichkeit beim Fest darf schon sein! Und unsere Eltern haben es damals häufig geschafft, dass wir mit großen Augen und klopfenden Herzen dann in die gute Stube kamen ... Wenn wir davon nur ein Bruchteil für unsere Kinder wiederholen können, macht uns das stolz.
Weihnachtsmusik überall
Bei der perfekten Weihnachtsmusik scheiden sich die Geister. Und natürlich kann nicht jeder von uns zum millionsten Mal „Last Christmas“ von Wham! ertragen. Millennials lieben ihren Weihnachtspop und in manch einer Familie mit Wurzeln in der DDR dudelt immer noch „Weihnachten in Familie“. Aber in den allermeisten Familien läuft in der Weihnachtszeit schon noch das ein oder andere traditionelle Lied. Kinder singen in den Schulen und Kitas immer noch „O du fröhliche“, „In der Weihnachtsbäckerei“ oder „Alle Jahre wieder“. Altes Liedgut setzt sich an Weihnachten einfach durch, weil es die Herzen berührt.
Es gibt natürlich auch Boomer-Traditionen an Weihnachten, die Jüngere eher ablehnen. Schließlich leben wir nicht mehr in den 70er oder 80ern und einiges hat sich verändert ...
Mit der Familie zusammen feiern
Abschließend bleibt ein Ritual, was das eigentliche Herzstück des Weihnachtsfests ausmacht: Wir sind mit unserer (Wahl-)-Familie zusammen und verbringen Zeit miteinander. Leider gibt es viel zu viele Menschen, die an Weihnachten einsam sind. Wohl jedem, der zum Fest jemanden findet, mit dem er den Baum bewundern kann, ein nettes Wort spricht und etwas Leckeres isst.
Letztlich geht es bei all dem um eines: Das soziale Miteinander und uns daran zu erinnern, was wichtig auf Erden ist (jetzt werde ich selber schon etwas sentimental): Dass wir Menschen einander brauchen und näher zusammen rücken sollten. Da sollten politische Ansichten, linksgrün oder konservativ-rechts, mal beiseite gelegt werden und es geht nur um den Wert von Gemeinsamkeit, Zusammensein und Familie. Die darf total modern und verschieden aussehen, letztlich heißt es nur: Wir lassen die Welt mal draußen und sitzen gemütlich zusammen. In diesem Sinne wünsche ich allen Boomern, Nicht-Boomern, Millennials, Gen X bis Z ein wunderbares Weihnachtsfest!









