Aktuell geht eine Erkältungswelle durch Deutschland und vielerorts sind Kinder, Eltern, Familie, Lehrpersonal und Co. vollkommen ausgeknockt. Jetzt kriegen wir überall her schlaue Tipps, wie wir uns verhalten sollen. Doch nicht immer machen wir alles intuitiv richtig und auch manche Tipps von Apotheke und Co. sind mit Vorsicht zu genießen. Die folgenden Verhaltensweisen sind gar nicht mal so gut, obwohl viele von uns das praktizieren. Guckt einfach mal, wie das bei euch ist ...
#1 Mit den ersten Anzeichen noch auf Arbeit / in die Schule gehen
Die Nase läuft, der Hals kratzt, aber wir gehen noch zur Arbeit oder in die Schule. Denn es sind ja wichtige Projekte zu erledigen, Dienste zu erfüllen und Klausuren und Tests zu schreiben. Das ist auch alles wichtig, aber wichtiger als Gesundheit? Das größte Problem ist dabei, dass wir den Körper zusätzlich stressen und er durch Stresshormone nicht gut die Viren bekämpfen kann. Noch dazu verteilen wir durch Husten, Niesen und Co. die Viren und andere stecken sich an.
Daher heißt es eigentlich schon bei den ersten Anzeichen, wo es arbeitstechnisch geht: Bleibt zu Hause, macht Homeoffice bzw. ruht euch aus! Auch eine Klausur kann man nachschreiben bzw. mit dem Lehrpersonal besprechen, wie das im Krankheitsfall geregelt ist. Gesundheit bekommt ihr nie wieder, euer Körper sollte euch wichtig sein!
#2 Sich Antibiotika verschreiben lassen
Antibiotika helfen bei einer Erkältung nicht. Denn Erkältung oder Grippe wird von Viren ausgelöst, und Antibiotika wirken gegen Bakterien. Bei allen Krankheiten, die auf eine bakterielle Infektion zurückgehen, wie z.B. Blasen- oder Harnwegsinfekte und Streptokokken verschreiben Ärzte häufig Antibiotika, die dann auch helfen.
Grippeviren werden davon nicht abgetötet. Ihr müsst also beim Arzt genau eure Symptome angeben und abklären lassen, was die Ursache für eure Beschwerden ist. Dementsprechend erfolgt dann die Behandlung.
#3 Nur Kombi-Medikamente einnehmen
Jetzt werden wir wieder überall mit Werbung für Grippostad C oder Wick MediNait zugeschüttet. Solche Art von Kombipräparaten versprechen die schnelle Linderung vieler Erkältungssymptome in einem: Davon soll Fieber, Husten, Schnupfen und Kopfschmerz gleichzeitig weggehen. Die Stiftung Warentest warnt jedoch davon, weil diese Mittel zwar kurzfristig helfen, aber nicht ausreichend erforscht sind und Nebenwirkungen haben. Besser ist es Ibuprofen oder Paracetamol (je nachdem, was ihr besser vertragt) als fiebersenkendes Schmerzmittel einzunehmen und sich für den Schnupfen und Husten etwas Schleimlösendes verschreiben zu lassen und zusätzlich Hausmittel anzuwenden.
Verlasst euch also nicht auf diese Kombimittel, die ihr rezeptfrei bekommt, sondern geht zu euren Allgemeinärzten und lasst euch ordentlich untersuchen und auf dieser Basis ein Medikament verschreiben.
#4 Abschwellendes Nasenspray inflationär verwenden
Viele von uns nutzen abschwellende Sprays zu häufig oder zu lange. Kurzfristig sind sie schon geeignet, den zäh sitzenden Schleim zu lösen. Aber viele nehmen sie zu lange und zu häufig. Das führt schnell zu Gewöhnungseffekten („Rebound“), sodass die Nase immer wieder zu schwillt und man „abhängig“ vom Spray wird. Das hat zur Folge, dass die Schleimhäute austrocknen und die Heilung verlangsamt wird.
Abschwellende Sprays sind nur für den kurzfristigen Einsatz gedacht. Nehmt sie also höchstens 5–7 Tage und setzt ergänzend auf Meerwasserspray oder Nasenspülungen. Bei Kindern hilft Inhalieren oft richtig gut, die Atemwege freizubekommen.
#5 Die Wohnung und Körper zu warm aufheizen
Wenn wir mit einer Erkältung flach liegen, neigen wir meist dazu, uns so richtig schön warm einzukuscheln. Natürlich ist das auch richtig, wenn wir Frieren oder Schüttelfrost dazu kommt. Doch wenn wir dazu noch den Raum so richtig aufheizen und unter einer dicken Decke liegen, kann sich das eher negativ auswirken. Denn starkes Schwitzen belastet den Körper. Außerdem reizt trockene Heizungsluft die Schleimhäute zusätzlich und macht sie anfälliger.
Auch wenn ihr krank seid und Wärme braucht, solltet ihr regelmäßig lüften und die komplette Luft austauschen. Denn ein moderates Raumklima mit frischer Luft unterstützt die Regeneration. Die Raumtemperatur sollte vor allem in dem Raum, wo ihr schlaft und euch ausruht, nicht dauerhaft höher als 20 °C sein. Auch Saunagänge sind bei Erkältung und Grippe gar nicht gut. Das könnt ihr wieder machen, wenn ihr gesund seid.
#6 Viel Vitamin C oder Zink „zum Auskurieren“
Oft liest oder hört man, hohe Vitamin-C- oder Zinkdosen würden eine Erkältung stoppen. Wissenschaftlich ist der Effekt aber begrenzt: Sie können höchstens die Dauer leicht verkürzen, aber nicht verhindern oder heilen. Zu hohe Dosen können sogar Magenprobleme verursachen. Wer erst bei der Erkältung dazu greift, profitiert davon nicht wirklich.
Generell solltet ihr auch vorsichtig sein, Nahrungsergänzungsmittel dauerhaft über längere Zeit zu nehmen. Besser ist es, wenn wir auf gesunde, ausgewogene Ernährung zu setzen und gelegentlich zusätzlich nur mit Präparaten nachhelfen. Viel besser tragen ausreichend Schlaf, Ruhe und Flüssigkeit zur Gesundung bei.
Natürlich gibt es nie ein Schema F bei Erkältung und jeder Körper hat ein anderes Immunsystem. Hört daher auf euren Körper und eure Ärztinnen und Ärzte. Allerdings sind auch diese sich mit ihren Behandlungen und Tipps nicht immer einig. Sie geben lediglich Empfehlungen, die auf ihrer Ausbildung und ihrer Erfahrung beruhen. Gerade letztere kann jedoch sehr unterschiedlich sein. Wir wünschen euch auf jeden Fall gute Besserung. Komm gut durch den Winter!








