Besinnlichkeit, Kekse und Geschwisterzoff – die Weihnachtszeit bringt nicht nur funkelnde Lichter und Geschenke mit sich, sondern oft auch hitzigen Zoff zwischen Geschwistern. Während wir Eltern die Kekse im Ofen überwachen oder mit der Beleuchtung auf dem Fensterbrett balancieren, eskaliert im Wohnzimmer der Kampf ums Lieblingsspielzeug. Keine Sorge, das gehört bei den meisten Familien zum weihnachtlichen Alltag – und lässt sich mit ein paar klugen Strategien entschärfen.
Die Weihnachtszeit soll eigentlich die schönste Zeit des Jahres sein – voller Freude, Lachen und gemeinsamer Momente. Doch für viele von uns Eltern verwandelt sich die Zeit der Besinnlichkeit schnell in einen Marathon des Streitschlichtens zwischen den Kids. Das ist völlig normal! Geschwisterstreit gehört zum Aufwachsen dazu und bietet sogar wichtige Lernchancen für soziale Kompetenzen. Und es gibt gute Gründe, warum gerade an Weihnachten bei allen die Nerven blank liegen. Mit etwas Vorbereitung und den richtigen Strategien kannst du als Elternteil dazu beitragen, dass die Feiertage harmonischer verlaufen und alle die gemeinsame Zeit genießen können.
#1 Gestresste Elfen: Wenn wir Eltern unter Weihnachtsdruck stehen
Seien wir ehrlich: Wir selber sind selten entspannt in der Weihnachtszeit. Wenn du gestresst bist vom Geschenke-Organisieren, Kochen und dem Druck, allen ein magisches Fest zu bereiten, spüren das deine Kinder. Sie reagieren oft wie ein Seismograph auf unsere Stimmung und tragen dann Konflikte aus, die eigentlich die Spannungen der Erwachsenen widerspiegeln.
Was hilft: Achte auf deine eigene Selbstfürsorge und plane bewusst Pausen ein. Ein entspannter Elternteil ist das beste Geschenk für die Kids, denn so kannst du ruhig und besonnen auf Streitigkeiten reagieren, anstatt selbst emotional zu werden. Sage dir: „Ich bin jetzt ganz ruhig. Ich bin ruhig für euch. Ich bin hier, um zu helfen.“ Diese Ruhe wirkt wie ein sicherer Anker für deine Kinder, wenn ihre eigenen Emotionen Achterbahn fahren.
Viele wertvolle Handlungsbeispiele und Lösungsvorschläge findest du auch im Spiegel-Bestseller „Geschwisterkinder“ von Dr. Martina Stotz, einer der führenden Geschwister-Expertinnen in Deutschland.
#2 Zucker-Chaos: Wenn Plätzchen die Nerven strapazieren
Die Weihnachtszeit ist ein Paradies für kleine Naschkatzen: Plätzchen, Schokolade, heiße Schokolade und andere Leckereien sind überall verfügbar. Dazu kommen unregelmäßige Essens- und Schlafenszeiten, wenn der gewohnte Alltag pausiert. Diese Kombination ist der perfekte Nährboden für Streit! Wenn der Blutzuckerspiegel Achterbahn fährt und die Kinder übermüdet sind, sinkt die Frustrationstoleranz rapide.
Wir Eltern können helfen, indem wir in der Weihnachtszeit eine gewisse Struktur beibehalten. Plane zwischen all den Festlichkeiten ausreichend Ruhephasen ein und achte auf eine ausgewogene Ernährung. Ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft kann Wunder wirken, um aufgestaute Energie abzubauen. Und klar, natürlich dürfen die Kids naschen – aber vielleicht nicht den ganzen Tag über und nicht kurz vor dem Familienessen, wenn alle eh schon gereizt sind.
Auch Bluey normalisiert Geschwisterstreit und gibt Kids Lösungen mit. Im Video erklärt der KidsDoc, warum er die beliebte Serie noch empfehlen kann.
#3 „Dein Geschenk ist cooler als meins!“ – Der weihnachtliche Vergleichskampf
„Warum hat sie mehr bekommen als ich?“ oder „Sein Geschenk ist viel cooler!“ – solche Sätze fallen auch bei uns alle Jahre wieder. Geschenke können zu einem Wettbewerb werden, bei dem sich unsere Kids ungerecht behandelt fühlen, selbst wenn wir als Eltern schon peinlich genau auf Ausgewogenheit achten.
Was hilft: Schon vor Weihnachten offen über Fairness zu sprechen und zu erklären, dass jedes Kind einzigartig ist und daher auch individuelle Geschenke bekommt. Vielleicht kannst du auch eine Familientradition einführen, bei der die Geschwister kleine Geschenke füreinander basteln oder aussuchen – das fördert das Verständnis füreinander. Und wenn der Streit doch ausbricht, höre beiden Seiten zu und erkenne ihre Gefühle an, ohne Partei zu ergreifen oder als Schiedsrichter*in zu fungieren. Stattdessen empfiehlt Dr. Martina Stotz: „Frage dich: Was braucht das eine Kind und was das andere Kind, damit wir eine Lösung finden, die für alle okay ist?“
#4 Alle unterm Weihnachtsbaum: Wenn die Nähe zu viel wird
In der Weihnachtszeit verbringen Familien oft mehr Zeit miteinander als sonst – manchmal auf engerem Raum und über mehrere Tage hinweg. Dazu kommen vielleicht noch Besuche von Verwandten und Freund*innen. Alles wundervoll! Aber diese intensive Nähe kann besonders für Kinder anstrengend sein, die ihren persönlichen Freiraum brauchen.
Plane bewusst Auszeiten ein, in denen sich jedes Kind zurückziehen kann. Ein eigener Rückzugsort – und sei es nur eine gemütliche Leseecke – gibt Kindern die Möglichkeit, Abstand zu gewinnen und durchzuatmen. Genauso ist es gut, Momente zu schaffen, in denen ein Kind dich nur für sich hat. Es hilft viel, diese Bedürfnisse zu respektieren und Kinder nicht zu zwingen, ständig gemeinsam zu spielen oder an allen Familienaktivitäten teilzunehmen. Manchmal ist weniger mehr, und eine halbe Stunde alleine mit einem Buch (oder Tablet) kann Wunder wirken, um Streit zu vermeiden.
#5 Glitzernde Traumschlösser: Wenn Weihnachtswünsche auf die Wirklichkeit treffen
Nicht nur wir Erwachsenen haben hohe Erwartungen an Weihnachten – auch unsere Kinder bauen sich ihre eigene Vorstellung vom perfekten Fest auf, oft genährt durch Werbung, Filme und soziale Medien. Wenn dann nicht alles nach Plan läuft oder Geschwister die eigenen Vorstellungen durchkreuzen, kann schnell Frust entstehen.
Wir können unseren Kindern helfen, realistische Erwartungen zu entwickeln. Sprecht vorher darüber, wie die Feiertage ablaufen werden, und bereite sie auf mögliche Herausforderungen vor. „Pre-Gaming“ nennen Expert*innen diese Methode: Besprecht im Vorfeld potenzielle Konfliktsituationen und überlegt gemeinsam, wie ihr damit umgehen könnt. „Wenn der Lebkuchenhaus-Bau nicht klappt wie geplant, was machen wir dann?“ oder „Was müssen wir machen, damit wir rechtzeitig bei Oma und Opa sind?“ Diese Vorbereitung gibt Kindern Sicherheit und Handlungsstrategien für schwierige Momente und Übergangsphasen.
Fazit: Weihnachtszauber trotz kleiner Streitereien
Geschwisterstreit an Weihnachten ist normal und kein Zeichen von Versagen als Eltern. Mit etwas Vorbereitung, realistischen Erwartungen und der richtigen Balance aus Struktur und Flexibilität kann die Weihnachtszeit für alle entspannter werden. Denk daran: Perfekte Harmonie gibt es nur in Weihnachtsfilmen (und wir sagen nur: habt ihr „Kevin - Allein zu Haus“ oder „Schöne Bescherung“ gesehen?!).
In echten Familien gehören auch kleine und große Konflikte dazu. Das Wichtigste ist, wie ihr als Familie damit umgeht und welche Lösungsstrategien ihr gemeinsam entwickelt. So werden aus kleinen Streitigkeiten wertvolle Lernmomente, die deine Kinder fürs Leben stärken.








