Sagt ihr im Alltag auch öfter "Pass auf!" und "Sei vorsichtig!" zu euren Kids? Klar, diese Sätze sind manchmal wichtig, wenn echte Gefahren lauern. Oft kommen sie uns aber automatisch über die Lippen, weil wir sie in unserer Kindheit selbst immer wieder gehört haben. Und schüren so ungewollt Ängste und untergraben das Selbstvertrauen unserer Kids. Zum Glück gibt es hilfreiche Alternativen, die Kinder stärken statt bremsen.
Unsere Sorge um die Sicherheit unserer Kinder ist natürlich und wichtig. Aber die Art, wie wir sie ausdrücken, kann einen großen Unterschied machen. Denn wenn wir ständig ein panisches "Pass auf!" rufen, vermitteln wir unterschwellig: "Ich traue dir nicht zu, auf dich selbst zu achten." Oder wir dramatisieren die Gefahr und lassen unbewusst Ängste entstehen. Nicht selten kennen wir diese aus der eigenen Kindheit und knabbern noch heute an den Folgen – und geben sie dann unbewusst an unsere Kinder weiter.
Zum Glück gibt es andere Sätze, die uns aus der "Vorsicht!"-Falle retten und Kids dabei unterstützen, ihre eigene Körperwahrnehmung zu schulen. Hier sind sechs Alternativen, die wirklich helfen und die Autonomie deines Kindes stärken.
#1"Augen nach vorne/oben"
Auch mein Gehirn schreit innerlich sehr oft "Sei vorsichtig" – was ich mittlerweile stattdessen sage: "Augen nach vorne!" Die klare Anweisung lenkt die Aufmerksamkeit deines Kindes genau dorthin, wo sie gebraucht wird. Statt einer vagen Warnung gibst du eine konkrete Hilfestellung.
Kinder sind oft so begeistert von ihrer Aktivität, dass sie vergessen, auf den Weg zu achten. Und auch neurodivergenten Kids kann es schwerfallen, Gefahren wahrnehmen. Der Hinweis hilft Kindern, ihren Blick zu fokussieren, ohne ihnen die Freude am Entdecken zu nehmen. Besonders beim Klettern oder Radfahren hilft er, sich zu orientieren, ohne dabei zu verunsichern.
#2 "Der Boden ist rutschig"
Bevor ich ein "Langsam!" oder "Vorsicht!" rufe, hilft es mir, mich auf das eigentliche Hindernis zu konzentrieren. Ein sachliches "Der Boden ist nass" beschreibt die Situation, ohne eine Wertung oder Warnung auszusprechen. Du überlässt deinem Kind die Entscheidung, wie es damit umgeht und zeigst, dass du seiner Einschätzung vertraust.
So kann es selber entscheiden: langsamer gehen, Hände zum Abstützen bereithalten oder einen anderen Weg nehmen. Das fördert die Eigenverantwortung und das Risikobewusstsein, ohne neue Ängste entstehen zu lassen. Bonus: Du regulierst damit deine eigenen Ängste, wenn du zu Panik neigst. Wenn du auf der Suche nach stärkenden Sätzen für dein Kind bist, haben wir hier viele tolle Beispiele.
#3 "Achte auf deine Füße"
Diese Formulierung lenkt die Aufmerksamkeit deines Kindes auf seinen eigenen Körper und stärkt damit die Körperwahrnehmung.
So wird es achtsamer und kann Stolperfallen besser erkennen. Du gibst damit einen konkreten Tipp zur Selbsthilfe statt einer diffusen Warnung. Funktioniert natürlich auch mit jedem anderen Körperteil, etwa beim Schneiden mit einer scharfen Schere oder wenn du Angst hast, dass es sich den Kopf stößt.
#4 "Gehende Füße bitte"
Eine tolle Montessori-inspirierte Strategie ist auch die Unterscheidung zwischen "gehenden" und "rennenden" Füßen. So setzt du klare Grenzen, indem du das gewünschte Verhalten betonst, statt das unerwünschte zu kritisieren.
Anstatt "Nicht rennen!" zu rufen, formulierst du positiv, was du sehen möchtest. Das ist für Kinder viel leichter umzusetzen. Das funktioniert besonders gut in Situationen, wo Rennen gefährlich sein könnte – etwa auf nassen Fliesen, auf steilen Treppen oder in belebten Räumen. Dein Kind fühlt sich nicht ausgebremst, sondern bekommt eine klare, umsetzbare Anweisung.
Auch der Montessori-Trick im Video hilft dabei, eure Kids im Alltag zu stärken und ihnen gleichzeitig mehr Sicherheit zu schenken:
#5 "Gehe wie ein Pinguin"
Manche Kinder reagieren besser auf spielerische Sprache – und auch manchen von uns Großen fällt es leichter, lustige Anweisungen zu geben. Und schwupps machst du aus einer potenziell gefährlichen Situation ein kleines Abenteuer. Denn die meisten Kids lieben es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen.
Bonus: Besonders auf Eis oder rutschigem Untergrund ist der Pinguin-Gang perfekt: kleine Schritte, Füße leicht nach außen, Schwerpunkt nach vorne. Durch das Bild des watschelnden Pinguins wird die Anweisung für Kinder sofort verständlich und macht noch dazu Spaß. Sie lernen spielerisch, wie sie sich in herausfordernden Situationen sicher bewegen können, ohne dass du ihnen Angst machen musst. Aber natürlich könnt ihr euch in eurer Familie jede beliebige Gangart überlegen, die zu euch (oder dem Lieblingstier deiner Kinder) passt.
#6 "Das sieht schwierig aus. Hast du einen Plan?"
Diese Frage zeigt Vertrauen in die Fähigkeiten deines Kindes und regt gleichzeitig zum Nachdenken an. Du signalisierst: "Ich sehe die Herausforderung, aber ich traue dir zu, sie zu meistern."
Statt vorschnell einzugreifen oder zu warnen, förderst du so Problemlösungskompetenz: Dein Kind darf selbst überlegen, wie es die Situation bewältigen will. Vielleicht hat es sogar eine bessere Idee als du! Diese Herangehensweise stärkt das Selbstvertrauen und die Entscheidungsfähigkeit. Dein Kind lernt, Risiken abzuwägen und eigene Strategien zu entwickeln – eine wichtige Fähigkeit fürs Leben.
Fazit: Worte prägen die Zukunft unserer Kinder
Die Art, wie wir mit unseren Kindern sprechen, formt ihr Selbstbild und ihre Risikobereitschaft. Wenn wir statt ängstlicher Warnungen konkrete Hinweise oder ermutigende Fragen formulieren, stärken wir ihr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Diese alternativen Formulierungen helfen uns als Eltern auch, den Kreislauf zu durchbrechen, in dem wir unbewusst die Sätze unserer eigenen Eltern wiederholen.
Die obigen Sätze helfen mir total, mich auf den Moment zu besinnen, statt meine eigenen Ängste auf meine Kids zu übertragen. Und während manche funktionieren, fühlen sich andere komisch an – aber viel besser als ein konstantes "Pass auf!" und "Sei vorsichtig!". Und: Oft hilft es auch, kurz innezuhalten und gar nichts zu sagen. Wie ist das bei euch? Welche Formulierungen kennt ihr und welche helfen euch am besten weiter? Schreibt uns gerne!









