Wenn Geschwister streiten, möchten wir als Eltern oft nur eines: dass es schnell aufhört. Doch statt sofort einzugreifen und in die Schiedsrichter-Rolle zu verfallen, können diese 5 einfachen Sätze wahre Wunder wirken. Sie helfen nicht nur, den aktuellen Konflikt zu lösen, sondern vermitteln Kindern wertvolle Fähigkeiten für ein lebenslanges friedliches Miteinander. Gleichzeitig helfen sie uns Eltern, ruhig zu bleiben und mit eigenen Triggern umzugehen.
Geschwisterstreit gehört zum Familienalltag wie das Zähneputzen. Manchmal ist es nur ein kleines Geplänkel, aber schnell eskaliert es zu lautstarken Auseinandersetzungen oder Handgreiflichkeiten. Was sich für uns Eltern oft wie Ausnahmezustand anfühlt, ist im Ansatz normal und wichtig. Denn der Zoff hilft unseren Kids, ihre sozialen Fähigkeiten auszutesten und Konfliktlösungsstrategien zu entwickeln. Was uns daran triggert, sind meist unsere eigenen Kindheitserfahrungen. Die folgenden Sätze helfen uns, den Streit in sichere Bahnen zu lenken und selber eine liebevolle Perspektive zu wahren, ohne uns zu stark stressen zu lassen.
#1 Gefühle erkennen und benennen
Wenn Kinder streiten, stecken dahinter oft starke Gefühle: Wut, Frustration, Enttäuschung oder Traurigkeit. Mit dieser einfachen Frage lenkst du die Aufmerksamkeit deiner Kids auf ihre Emotionen statt auf den Konflikt selbst. Plötzlich geht es nicht mehr darum, wer recht oder Schuld hat, sondern darum, was beide Kinder gerade brauchen. Ohne, dass du Partei ergreifst oder die Kinder in vorgefertigte Rollen presst.
Dieser Satz hilft Kindern, ihre Gefühle zu benennen und zu verstehen. Wenn ein Kind sagt „Ich bin wütend!“ und das andere „Ich bin traurig!“, haben sie bereits den ersten Schritt zur Lösung gemacht. Sie lernen, dass ihre Gefühle wichtig sind und gehört werden – eine Fähigkeit, die ihnen ein Leben lang nützen wird.
Für einen Blick in die eigenen Glaubenssätze und Handlungswege, die Geschwisterbeziehung der Kinder zu verstehen und zu unterstützen, kann ich euch sehr „Geschwisterkinder“ von Dr. Martina Stotz empfehlen:
#2 Vertrauen schenken
Dieser Satz ist pure Anti-Streit-Magie! Du gibst deinen Kindern damit die Kontrolle zurück und signalisierst Vertrauen in ihre Fähigkeiten. Oft sind Kinder überrascht, wenn sie plötzlich selbst entscheiden dürfen, ob sie Hilfe brauchen oder nicht. Vor allem ist er aber eine Möglichkeit einzuschreiten und allen eine kurze Verschnaufpause zu gönnen. Und zu zeigen, dass du zur Stelle bist, wenn der Streit doch eskaliert.
Durch diese Frage förderst du Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein – und sparst dir im besten Fall jede Menge Energie als Streitschlichter.
#3 Emotionen würdigen
Wenn die Emotionen hochkochen und Beleidigungen fallen, ist dieser Satz ein echter De-Eskalator. Anstatt die Kinder für ihre Worte zu verurteilen, erkennst du die Intensität ihrer Gefühle an. Du zeigst Verständnis für ihre Frustration, ohne das Verhalten gutzuheißen.
Dieser Ansatz nimmt den Druck aus der Situation und öffnet die Tür für Unterstützung. Dein Kind fühlt sich verstanden statt missverstanden und ist eher bereit, über konstruktive Lösungen nachzudenken. Besonders bei verbalen Auseinandersetzungen hilft dieser Satz, die eigentlichen Bedürfnisse hinter den harten Worten zu erkennen und anzusprechen. Gleichzeitig fühlt sich das angegriffene Kind in seinem Unmut gesehen.
#4 Liebevolle und sichere Auszeit schenken
Diese Reaktion ist dein Ass im Ärmel, wenn es körperlich wird. Sie setzt klare Grenzen, ohne zu beschuldigen oder zu bestrafen. Du bietest einen Ausweg aus der Eskalation an, indem du eine Abkühlphase einleitest. Dazu passt super „Wenn ihr bereit seid, eure Worte statt eure Hände zu benutzen, könnt ihr versuchen, das Problem zu lösen.“
Die „gemütlichen Orte“ sollten keine „Strafecken“ sein oder das Äquivalent von „Ab in dein Zimmer!“ sein, wie wir es vielleicht aus unserer eigenen Kindheit kennen. Sondern sichere Plätze, wo die Kinder zur Ruhe kommen können. Vielleicht hat jedes Kind sein eigenes Kuschelkissen oder eine Leseecke. Wichtig ist die Botschaft: Es ist okay, starke Gefühle zu haben, aber wir müssen lernen, sie ohne körperliche Aggression auszudrücken.
Das kann euch helfen:
Bastle eine Ruheecke mit Kuscheltieren, Decken, Malsachen oder sensorischen Spielsachen wie Squishys. Hier können sich wütende Kinder zurückziehen und z. B. mithilfe von Bildkarten oder Büchern ihre Gefühle ausdrücken, bevor sie wieder miteinander sprechen. Wir haben uns dafür kuschelige Bean Bags zugelegt, denn sie sind auch super zum Reinspringen/ -boxen und Dampf ablassen.
#5 Gamechanger-Satz einüben
Kids streiten, um sich in der sicheren Kommunikation zu üben. Um den nächsten Streit zu vermeiden oder ihnen dabei zu helfen, den Konflikt selbst zu lösen, kannst du diesen Satz mit ihnen üben: „Ich fühle mich xy und brauche xy von dir.“ Das hilft Kindern, bei sich zu bleiben, ihre eigenen Gefühle ernst zu nehmen und sie zu kommunizieren. Und das Geschwisterkind sieht, dass es nicht um seine Person oder sein Handeln, sondern die Erfahrung und Gefühle des Gegenübers geht. Und bekommt gleichzeitig Ideen, wie es handeln kann.
Ein Beispiel: „Ich bin müde und möchte, dass du deine Kopfhörer benutzt.“ oder „Ich werde wütend, wenn du mich so nennst und möchte, dass du damit aufhörst.“ Klar, Konflikte und große Gefühle bleiben bestehen, aber deine Kids haben erste Tools, den Streit auf ein anderes Level zu bringen. Und üben sich im Hintergrund dabei in Empathie und Problemlösungskompetenz.
Konflikte als Lernchance nutzen
Geschwisterstreit ist kein Versagen von uns Eltern, sondern eine wertvolle Gelegenheit für Kinder, lebenswichtige soziale Fähigkeiten zu entwickeln. Mit diesen fünf magischen Sätzen kannst du ihnen Werkzeuge an die Hand geben, mit denen sie Konflikte selbstständig(er) lösen können.
Und damit kann sich die Streitkultur in eurer Familie schnell positiv verändern, weil ihr endlich aus den Rollen von Schiedsrichter*in, der oder des „Schuldigen“ und des „Opfers“ ausbrecht und dafür auf ein – wenn auch unperfektes – Miteinander setzen könnt. So können deine Kinder zu kompetenten Konfliktlösenden heranwachsen – eine Fähigkeit, die ihnen in allen Lebensbereichen zugutekommen wird.









