Ob morgens anziehen, abends aufräumen oder beim Playdate: Es gibt so viele Situationen im Alltag, in denen unsere Kinder festzustecken scheinen – sie sind von ihren Gefühlen überwältigt, fühlen sich unsicher oder können einfach nicht kooperieren. Diese magischen Sätze aus der Montessori-Pädagogik helfen, dein Kind darin zu bestärken, mitzumachen oder etwas selber zu versuchen.
Die Montessori-Pädagogik setzt auf Respekt, Selbstständigkeit und intrinsische Motivation. Statt angestaubt zu sein, passt sie so super in unsere modernen Erziehungsansätze: Sie ist bedürfnisorientiert und liebevoll, aber setzt klare Grenzen. Und das hilft besonders dann, wenn wir glauben, unsere Kids einfach nicht erreichen zu können. Statt streng Befehle zu erteilen, können kindgerechte Fragen die Kooperationsbereitschaft unserer Kinder fördern und ihnen gleichzeitig wichtige Lebenskompetenzen vermitteln. Also: Statt gefrustet einzuspringen oder aufzugeben, probier erst mal eine dieser Fragen:
#1 Der Starthelfer für Zögernde
Nicht nur für uns, auch für unsere Kids kann das Anfangen der schwierigste Teil sein. Und große Aufgaben in kleine Schritte zu unterteilen, ist eine wichtige Lebensfähigkeit. Mit dieser Frage hilfst du deinem Kind, eine Aufgabe zu strukturieren, ohne ihm die Kontrolle zu nehmen. Anstatt zu sagen „Räum dein Zimmer auf“, was überwältigend sein kann, ermunterst du es, selbst zu überlegen: „Zuerst sammle ich die Legos ein.“ Das gibt deinem Kind ein Erfolgserlebnis und macht den Einstieg leichter. Sobald der erste Schritt getan ist, folgen die nächsten umso leichter.
#2 Der Bergverkleinerer
Manchmal stecken Kids auch einfach fest: Eine Aufgabe wirkt für sie zu überwältigend, und sie wissen nicht, wo sie beginnen sollen. Diese Frage gibt deinem Kind die Möglichkeit, selbst zu überlegen, was es zum Erfolg braucht. Vielleicht möchte es, dass du in der Nähe bleibst, oder es braucht eine kleine Anleitung. Anstatt anzunehmen, dass dein Kind nicht kooperieren will, gibst du ihm die Chance zu kommunizieren, was es zum Erfolg braucht. Das stärkt nicht nur die Zusammenarbeit, sondern auch das Selbstvertrauen deines Kindes, Probleme eigenständig zu lösen.
#3 Der Problemlöse-Turbo
Mit diesem anderen Dreh kann diese Frage Resilienz und Problemlösungskompetenzen stärken: Statt bei Schwierigkeiten einzugreifen oder zu schimpfen, regst du dein Kind an, Alternativen zu finden. Wenn der Turm immer wieder umfällt, könnte es eine breitere Basis bauen. Wenn der Reißverschluss klemmt, könnte es eine andere Technik ausprobieren. Diese Frage vermittelt: Scheitern ist Teil des Lernprozesses, nicht das Ende. Sie fördert Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, flexibel zu denken – Eigenschaften, die weit über das Kinderzimmer hinaus wichtig sind.
Besonders neurodivergenten Kids fällt es oft schwer, Dinge anzufangen oder mitzumachen – aber welche Art von Frage oder Motivation sie unterstützt, ist individuell sehr verschieden kann auch für uns Eltern anstrengend sein. Im Video unser Reminder, dass Kids mit ADHS folgende Dinge nicht mit Absicht machen:
#4 Der Teamplay-Aktivator
Diese Frage signalisiert: „Wir sind ein Team!“ Statt einen Befehl zu erteilen, lädst du dein Kind ein, Teil der Lösung zu sein. Vielleicht schlägt es vor, dass ihr zusammen aufräumt oder dass es die Kuscheltiere sammelt, während du die Bücher einräumst. Kinder lieben das Gefühl, wichtige Teammitglieder zu sein. Diese Frage fördert nicht nur die Kooperation, sondern auch kreatives Denken und Problemlösungsfähigkeiten – und nimmt nebenbei den Druck aus potenziellen Konfliktsituationen.
#5 Liebevolle Kontrollabgabe
Diese Frage gibt deinem Kind Entscheidungsfreiheit und übt gleichzeitig das Treffen von Entscheidungen. Wenn ihr im Supermarkt seid und Obst kaufen wollt, kannst du fragen: „Was möchtest du zuerst auswählen – Äpfel oder Bananen?“ Oder beim Anziehen: „Möchtest du zuerst die Hose oder das T-Shirt anziehen?“
Falls die Entscheidung schwerfällt, biete zwei oder drei Optionen an: „Möchtest du vor dem Schlafengehen ein Buch lesen oder ein Lied singen?“ So übst du mit deinem Kind das Entscheidungen-Treffen – eine Fähigkeit, die im Leben immer wichtiger wird. Und ganz nebenbei: Kinder, die selbst wählen dürfen, sind meist viel motivierter bei der Sache!
#6 Kleine Planungsexperten
Diese Frage ist perfekt, um logisches Denken und Planungsfähigkeiten zu fördern. Ob ihr Kekse backt, ein Baumhaus baut oder für einen Strandtag packt – lass dein Kind überlegen, was ihr braucht. „Wir wollen morgen einen Ausflug zum See machen. Welche Dinge sollten wir einpacken?“
Bei älteren Kindern kannst du sogar eine Liste erstellen und die Dinge gemeinsam abhaken. Oder beim Basteln: „Wir wollen eine Geburtstagskarte für Oma basteln. Welche Materialien brauchen wir dafür?“ So lernt dein Kind, vorauszudenken und Abläufe zu strukturieren. Ein zusätzlicher Bonus: Kinder, die bei der Planung mithelfen durften, sind später viel kooperativer bei der Durchführung!
#7 Gefühlsdetektive unterwegs
Kinder werden oft von ihren Gefühlen überwältigt und brauchen Hilfe, um sie zu benennen. Wenn dein Kind vom Kindergarten nach Hause kommt und stiller ist als sonst, kannst du fragen: „Wie fühlst du dich heute?“ Anfangs kannst du Unterstützung anbieten: „Du siehst traurig aus. Ist heute etwas passiert?“ oder „War es laut auf dem Spielplatz? Hast du dich unwohl gefühlt?“
Mit der Zeit wird dein Kind immer besser darin, seine Gefühle selbst zu erkennen und auszudrücken. Sprecht auch über die Gefühle anderer: „Der kleine Junge im Wartezimmer weint. Wie fühlt er sich wohl?“ So förderst du ganz nebenbei Empathie – eine der wichtigsten sozialen Fähigkeiten überhaupt.
Übrigens: Diese Sätze helfen, wenn dein Kind nicht von seinem Tag erzählen möchte. Und wenn du spürst, dass es sich zurückzieht, kannst du diese Strategien probieren.
#8 Hilfe zur Selbsthilfe
Wenn dein Kind frustriert oder überfordert ist, ist es verlockend, sofort einzugreifen und alles zu regeln. Halte kurz inne und frage stattdessen: „Wie kann ich dir helfen?" Das verhindert, dass du den Prozess übernimmst. Wenn dein Kind versucht, seine Schuhe zu binden und frustriert wird, würdest du vielleicht instinktiv die Schuhe schnell selbst zubinden.
Aber vielleicht braucht es nur einen Tipp oder möchte, dass du den Anfang machst, während es selbst den Rest schafft. Oder beim Hausaufgabenfrust: „Ich sehe, dass die Matheaufgaben schwierig sind. Wie kann ich dir helfen?“ Diese Frage gibt deinem Kind die Kontrolle zurück und zeigt ihm: „Ich vertraue dir, dass du weißt, was du brauchst.“
#9 Emotionale Selbstfürsorge
Manche Kinder laufen instinktiv nach einem Wutanfall in ein anderes Zimmer oder „schmollen", weil sie Abstand brauchen. Tatsächlich zeigen solche Handlungen emotionales Bewusstsein. Wenn dein Kind nach einem anstrengenden Tag aus der Schule kommt, frag: „Möchtest du, dass ich bei dir sitze und wir reden, oder brauchst du erst mal etwas Zeit für dich?“ Oder nach einem Streit mit Geschwistern.
Diese Frage gibt deinem Kind die Möglichkeit, seine emotionalen Bedürfnisse zu erkennen und mitzuteilen. Du zeigst damit Respekt für seine Gefühle und hilfst ihm, Selbstfürsorge zu lernen. Ein wichtiger Schritt zur emotionalen Selbstständigkeit!
#10 Aus Fehlern wird man schlau
Diese Frage hilft Kindern, aus Fehlern zu lernen, ohne sich schlecht zu fühlen. Wenn dein Kind aus Wut ein Spielzeug kaputt gemacht hat, könntest du fragen: „Was könntest du beim nächsten Mal anders machen, wenn du wütend bist?“ Oder wenn es vergessen hat, den Hund zu füttern: „Was könntest du tun, damit du daran denkst?“
Diese Frage richtet den Blick nach vorne statt zurück auf den Fehler. Ein Kind, das sein Getränk verschüttet hat, könnte überlegen: „Beim nächsten Mal stelle ich das Glas weiter weg vom Rand.“ So lernen Kinder, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen und Lösungen zu finden, statt in Schuldgefühlen zu verharren.
#11 Verspielte Lernhilfe
Lernen ist nicht immer einfach – und diese Frage fördert die natürliche Neugier deines Kindes und zeigt ihm, dass seine Interessen wichtig sind. Wenn ihr in der Bücherei seid, frag: „Worüber möchtest du heute mehr erfahren?“ Vielleicht interessiert es sich für Vulkane, Ritter oder wie Flugzeuge fliegen. Oder beim gemeinsamen Suchen im Internet: „Worüber sollen wir heute etwas recherchieren?“ Diese Frage zeigt ihm, dass Lernen selbstgesteuert sein kann und Spaß macht.
Fazit: Kleine Fragen, große Wirkung – für einen entspannteren Alltag
Fragen statt Anweisungen zu probieren, kann hilfreich sein, um unsere Kids zu motivieren. Natürlich sind klare Anweisungen manchmal wichtig – sie geben Struktur und Sicherheit. So können auch die obigen Sätze manche Kinder auch überfordern oder nicht alle passen zu euch als Familie – du kennst dein Kind und eure Dynamik am besten. Aber je öfter du motivierende Fragen in deinen Alltag einbaust, desto selbstständiger und kooperativer wird dein Kind mit der Zeit werden.
Denn du gibst ihm so die Chance, eigene Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und aus seinen Erfahrungen zu lernen. Und ganz nebenbei erfährst du viel mehr darüber, wie dein Kind denkt und fühlt. Eine Win-win-Situation für euch beide!














