"Mir hatten ja nüschte ...." Diese Aussage wird oft mit dem Leben in der DDR verbunden. Doch stimmt sie wirklich? Natürlich gab es vielleicht nicht so viele industrielle Produkte wie in der BRD. Doch die Menschen kochten genauso viel und aßen deftig oder eben auch gern süß. Wer seine Kindheit in der DDR verbrachte, erinnert sich an so ganz typische Desserts.
Die Leute haben das Beste aus den Lebensmitteln gemacht, die es gab, waren dabei kreativ und orientierten sich an regionalen und saisonalen Produkten. Kennt ihr noch diese typischen Nachspeisen? Da werden Kindheitserinnerungen wach ...
Softeis mit Muschelwaffel
Mmmh, lecker ... Softeis in der Muschelwaffel mit Namenslöffel gab es nicht als Nachspeise zu Hause. Gehörte aber zu den typischen Süßspeisen in der DDR, die ganzjährig beliebt waren. Natürlich gab es Softeis (eine Erfindung aus den USA) auch im Westen, das war jedoch etwas anders zusammengesetzt und hatte eine andere Konsistenz.
Man stellte es hierzulande im Ilka Eisfreezer des VEB Kältetechnik Niedersachswerfen her (diese Maschine wird immer noch von vielen Softeisverkäufern im Osten benutzt). Das wurde auch in Plastikpackungen abgefüllt und konnte für zu Hause gekauft werden. Den klassischen Hexenbecher mit Vanille- und Schokosofteis gibt es heute noch vielerorts in ostdeutschen Supermärkten eures Vertrauens im Kühlregal. Muschelwaffeln habe ich hingegen ganz lange nicht mehr gesehen, es soll sie aber noch geben ...
Rote Grütze aus Grieß
Uh, wenn ich diese Verpackung sehe, muss ich sofort an meine 80er Jahre Kindheit denken. Meine Mutter hat häufig die Grießgrütze mit Himbeergeschmack gemacht. Ihr könnt heute noch die Tüten mit dem Pulver der Firma Komet kaufen. Man rührte das einfach in kochendes Wasser und gab Zucker dazu. Das gab es bei uns zu Hause immer mit Vanillesauce und war meine absolute Lieblingsnachspeise. Es gibt die Grütze auch mit Apfel-, Heidelbeer- und Kirschgeschmack.
Zitronencreme
Eine sehr einfache Nachspeise war auch die Zitronencreme. Sie ist super leicht und mit wenigen Zutaten zubereitet und lässt sich auch ein paar Tage im Kühlschrank aufbewahren. Ihr braucht dazu nur Gelatine, Zitronen, drei Eier, etwas Zucker und Sahne. Das Rezept könnt ihr hier nachlesen. Mhm, echt lecker und erfrischend, passt einfach immer als Dessert!
Kalter Hund/Kalte Schnauze
Kalter Hund gehört zu den ganz typischen DDR-Gerichten, die viele mit dem Osten verbinden. Dafür braucht man auch nur wenige Zutaten, darunter u.a. Butterkekse, Kakaopulver und Kokosfett. Der Kuchen ohne backen wird nur für mindestens 2 Stunden (am besten über Nacht) kalt gestellt und schon ist das süße Wunder fertig. Super für zwischendurch, als Nachtisch oder für die Kaffeetafel. Das Rezept könnt ihr nochmal nachlesen.
Tipp: Ihr erinnert euch jetzt an leckeren Kuchen von früher? Dann backt doch mal wieder diese DDR-Blechkuchen nach!
Karamellpudding
Pudding war natürlich auch so ein Klassiker vor der Wende. Bei uns zu Hause gab es häufig Vanille- oder Schokopudding, basierend auf klassischem Tütenpulver. Eine besonders beliebte Variante war auch Karamellpudding. Welche Puddingvariante war bei euch zu Hause typisch?
Hefeklöße mit Heidelbeeren
Die beste Hefeklößeköchin war meine Oma Erna. Jedes Enkelkind wünscht sich Hefeklöße von ihr. Dazu gab es eingekochte Heidelbeeren und wir Kinder waren glücklich. Wir aßen sie immer als Hauptspeise, man kann aber auch einen kleinen Hefekloß als Nachspeise anbieten. Hefeklöße bestehen aus Mehl, Milch, Eiern, Hefe, Zucker und Butter und machen richtig satt. Meine Tochter mag sie leider heutzutage nicht. Naja, Geschmäcker ändern sind. Ich esse sie immer noch gern.
Flambierte Aprikosen
Fans von eingekochtem Obst kamen in der DDR auf ihre Kosten. Denn wenn man angeblich auch nicht viel hatte, aber jede Menge heimische Obstbäume gab es noch und nöcher. Dann wurde geerntet und eingekocht, was das Zeug hält. Ein Dessertklassiker war auch Obstkompott, wie dieses Aprikosendessert. Dazu flambiert man eingekochte Aprikosen mit Zucker und Zitronenlikör und gießt Rum darüber. Ein Kinderrezept ist das natürlich nicht, aber etwas Feines für Erwachsene, die gern ein Schlückchen Likör genießen. Das Rezept findet ihr z.B. im beliebten DDR-Kochbuch "Kochen" auf S. 208.
Apfelplinsen
Äpfel können, wenn man es richtig macht, den ganzen Winter gelagert werden. Daher waren Apfelspeisen auch äußerst beliebt früher. Diese Plinsen hier sind eine Art ostdeutsche Eierkuchen mit Äpfeln drin. Wenn ihr Äpfel nicht in ganzen Stücken mögt, könnt ihr sie auch reiben. Das Rezept lest ihr hier nochmal nach. Auf jeden Fall lecker, wenn man gern Eierkuchen und Äpfel isst. Geht als Nachspeise und Hauptgang für Kinder alle Male.
Quarkkrem (sic!)
Zum Abschluss noch ein ganz einfaches Dessert, das wenig kostet und fix angerührt ist. Ihr nehmt etwas Marmelade eurer Wahl und etwas Puderzucker und rührt sie unter Magerquark, bis eine schaumige Masse entstanden ist. Das hat meine Mutter mir früher als schnelles Dessert häufig gemacht.
Im beliebten DDR-Kochbuch "Wir kochen gut" wird im "Quarkkrem"-Rezept noch ein Ei zugefügt und der Quark durch ein Sieb gestrichen. Wer möchte, kann auch noch etwas Sahne steif schlagen und unterrühren. Statt Marmelade könnt ihr auch Zitronensaft oder Kakaopulver nehmen, je nachdem welchen Geschmack eure Familie oder Kinder am liebsten haben. Aber wenn es schnell gehen soll und nicht ganz so fettig sein darf, dann ist die beschriebene Variante das einfachste.
Kennt ihr noch leckere Desserts und Nachspeisen aus der DDR, die hier fehlen? Dann schreibt mir gern unter katja@familie.de und ich füge sie noch hinzu. Und jetzt hab ich richtig Bock auf Hefeklöße mit Quarkkrem und auf Rote Grütze: Guten Appetit!



