Viele Schwangere ahnen es gar nicht: Auch in Sachen Beauty heißt es zum Schutz des Babys manchmal lieber verzichten. Einige Behandlungen und Wirkstoffe sind in dieser Zeit sogar ein No-Go. Was du problemlos weiter nutzen kannst, wovon du besser die Finger lässt und was gegen Schwangerschaftsflecken hilft, habe ich den Münchner Dermatologen und Allergologen Dr. Christian Merkel gefragt.
Botox, Filler & Co:
Welche Beauty-Behandlungen sind in der Schwangerschaft tabu?
In der Schwangerschaft heißt es bei einigen Beauty-Behandlungen: vorsichtig sein. Alles, was in die Haut gespritzt wird – wie Botox und Filler – oder mit starken Geräten arbeitet, also Laser-, Radiofrequenz- und Microneedling-Behandlungen, sowie intensive Peelings, solltest du in dieser Zeit pausieren. Für Schwangere gibt es dazu einfach keine sicheren Studien. Dr. Christian Merkel rät deshalb: besser verzichten, auch wenn das manchmal schwerfällt.
Verbotene Wirkstoffe
Und wie ist das bei Wirkstoffen wie Retinol in Seren, Cremes und Masken?
Diese Wirkstoffe sollten Schwangere unbedingt meiden:
- Retinoide (z. B. Retinol): Sie greifen tief in Zellprozesse ein und können theoretisch die Entwicklung des Babys beeinflussen.
- Benzoylperoxid: Wirkt antibakteriell gegen Akne, ist aber zu stark und zu aggressiv für die Schwangerschaft.
- Hoch dosierte Salicylsäure: Salicylate können systemisch wirken, besonders wenn wir sie großflächig oder in hohen Konzentrationen einsetzen.
- Hydrochinon: Das ist ein starkes Bleichmittel, das gut in den Körper aufgenommen wird und daher in der Schwangerschaft nicht geeignet.
- Ätherische Öle in hoher Konzentration: Das wissen viele Schwangere nicht, aber tatsächlich können ätherische Öle reizend oder sogar toxisch wirken. Mit Baby im Bauch, und auch später mit Säugling, hältst du dich also besser davon fern.
Wirksam, aber sicher
Diese Wirkstoffe kannst du als Schwangere gefahrlos nutzen
Zum Glück gibt es gute Alternativen, die sowohl wirksam als auch sicher sind. Vitamin C kannst du beispielsweise ruhig (weiter) nutzen, vor allem, wenn du zu Schwangerschaftsflecken neigst. Es ist nämlich ein Antioxidans, das die Haut vor Umweltschäden schützt, Pigmentflecken mildert und den Hautton ebenmäßiger wirken lässt.
Der Wirkstoff Niacinamid stärkt die Hautbarriere, reguliert Talg, beruhigt Rötungen und hilft ebenfalls gegen Pigmentstörungen. Azelainsäure beugt Hyperpigmentierung vor und hilft bei hormonell bedingten Hautunreinheiten.
Der Feuchtigkeitsbooster Hyaluronsäure bindet Wasser wie ein Schwamm, polstert die Haut auf und macht sie praller. Und Ceramide reparieren die Hautbarriere und verhindern Feuchtigkeitsverlust – sanft und safe. Last but not least sind Schwangere auch bei Peptiden auf der sicheren Seite – das sind kleine Bausteine, die die Hautregeneration und Festigkeit unterstützen können.
Schwangerschafts-flecken
Melasmen vorbeugen: So geht's
In der Schwangerschaft verändert sich die Haut. Viele Frauen freuen sich über den berühmten Schwangerschafts-Glow. Die Haut wirkt praller, weicher und frischer. Hast du weniger Glück, können leider Pickel sprießen. Das liegt daran, dass die Talg- und Schweißdrüsen ihre Aktivität erhöhen, und ist Typsache.
Hyperpigmentierungen sind ein weiteres häufiges Übel. Um Melasmen, also diesen dunklen Schwangerschaftsflecken vorzubeugen, rät Dr. Merkel:
„Das Essenzielle ist Lichtschutzfaktor 50 jeden Morgen, unabhängig davon, wie das Wetter ist – und es empfiehlt sich bei einem beginnenden Melasma sogar am Computer und Handy Blaulichtfilter anzuwenden. Das zweite sind Wirkstoffe: Erlaubt sind Vitamin C in der Früh und am Abend kann man mit Niacinamid oder Azelainsäure arbeiten, um das Melasma schwächer durchkommen zu lassen.”
Trage also unbedingt jeden Morgen LSF 50 auf – ganz egal, ob Sonne, Regen oder Homeoffice. Am besten alle zwei bis drei Stunden nachcremen. Meide direkte Sonne, vor allem mittags, und nutze einen Blaulichtfilter am Handy oder Laptop. Blaulicht kann Pigmentflecken verstärken, zeigen neuere Studien.
Und was gilt in der Stillzeit?
Es gelten die gleichen Regeln wie in der Schwangerschaft, wenn dein Baby da ist und du es stillst: Heißt also, keine Botox- oder Filler-Behandlungen, und auch keine Laser-, Radiofrequenz- oder Microneedling-Sessions einplanen. Bei der Pflege solltest du weiterhin auf Retinoide, Benzoylperoxid und intensive Säuren verzichten.
Und wie ist es bei Kinderwunsch, aber noch ohne positiven Test? Dann musst du Botox oder Filler nicht vorsorglich weglassen. Erst, wenn die Schwangerschaft wirklich bestätigt ist, solltest du eine Pause einlegen. Falls du dich damit wohler fühlst, kannst du natürlich auch früher darauf verzichten.






