Wenn Gespräche mit anderen regelmäßig schieflaufen, Streit dauernd eskaliert oder Nähe sich eigentlich immer irgendwie komisch anfühlt, dann liegt das möglicherweise nicht am Thema, dem Gegenüber oder der konkreten Situation, sondern an etwas Tieferem: einem Mangel an sozialer Intelligenz.
Gerade im Familienalltag kommt es ständig zu kleinen und großen Situationen, in denen wir zeigen, wie gut wir andere wirklich verstehen – oder eben nicht. Ob in Diskussionen mit dem Partner, im Spiel mit den Kindern oder beim Elternabend: Wer in sozialer Interaktion nicht mitschwingt, eckt oft an. Und genau das kann auf Dauer Beziehungen belasten.
Soziale Intelligenz ist kein Schulfach, das man einmal lernt und dann kann. Sie wächst mit Erfahrung – aber nur, wenn wir sie auch wahrnehmen. Das Verhalten mancher Menschen wirkt ständig unpassend, sie übersehen Signale oder überinterpretieren harmlose Worte. Das kann an einem Mangel an sozialer Intelligenz liegen. Wir zeigen dir hier vier deutliche Anzeichen, die dir (vielleicht auch bei dir selbst) auffallen können.
#1 Dauernd abgelenkt – wenn jemand gar nicht wirklich da ist
Man sitzt am Tisch, die Kids erzählen vom Tag, und dauernd ist das Smartphone wichtiger als das gemeinsame Gespräch. Menschen mit geringer sozialer Intelligenz nehmen laut Psycholog*innen oft nur wenig Rücksicht auf Gesprächspartner*innen und sind sehr auf sich selbst bezogen. Beim Gegenüber entsteht schnell das Gefühl: „Ich erzähl’s, aber er/sie hört nicht richtig zu.“ Und gerade Kinder merken sowas sofort.
Mit Emma Leigh Webers beliebtem Ratgeber „Aktives Zuhören [3-in-1]: 65 Techniken & Hinweise, um Ihre Beziehungen durch empathische Kommunikation zu verbessern“ lernst du nicht nur, besser zuzuhören, sondern auch ein Gefühl von Verständnis und Wertschätzung zu vermitteln.
#2 Sich unangemessen verhalten – und es nicht bemerken
Eigene Themen dominieren, nonverbale Signale bleiben unbemerkt – das führt häufig zu Situationen, wo jemand zu viel redet oder genau im falschen Moment einen unangebrachten Scherz bringt. In solchen Momenten fällt auf: Soziale Intelligenz hilft uns, Stimmung und Gefühle anderer einzuschätzen – fällt sie aus, verhalten wir uns daneben.
Damit dein Nachwuchs damit keine Probleme bekommt, kannst du seine soziale Intelligenz bereits früh fördern. Z.B. mit mit dem Übungsbuch „Soziale Intelligenz bei Kindern fördern“ von Irina Bosley und Erich Kasten. Hier helfen 75 interaktive Bildgeschichten dabei, mit Kindern im Alter von 8 bis 14 Jahren soziale Interaktionen zu trainieren und über verschiedene Verhaltensmöglichkeiten ins Gespräch zu kommen.
Manchmal lässt es sich nicht verhindern, dass wir mal aneinander geraten. Das ist ganz normal. Doch auch für Streitsituationen gibt es Regeln, die dafür sorgen, dass wir uns danach noch in die Augen schauen können. Welche das sind, zeigt unser Video:
#3 Alles persönlich nehmen
Kennst du das: Kaum wird eine Idee nicht sofort begeistert angenommen oder jemand sagt „Nein“, schon fühlt sich der andere gekränkt, bedroht oder ausgegrenzt? Laut Expert*innen reagieren Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl und/oder eingeschränkter sozialer Intelligenz oft so: Wenn jemand nicht absolut ihrer Meinung ist, fühlen sie sich schnell persönlich angegriffen.
Was dagegen hilft? Positives Denken! Johanna E. Kappels Spiegel-Bestseller „Positive Psychologie – Grübeln stoppen, Gelassenheit lernen und Positiv Denken“ hilft euch dabei, produktivere Denkmuster in euren Alltag zu integrieren und nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.
#4 Schwarz-weiß-Denken statt Diplomatie
Vielfalt, Wandel, Zwischentöne – Menschen mit intakter sozialer Kompetenz wissen, dass das Leben nicht nur Schwarz und Weiß, sondern bunt ist und im Zusammenleben viele Kompromisse nötig sind. Wer aber kaum über soziale Intelligenz verfügt, bleibt gern in Kategorien gefangen: „Das gehört sich so“ oder „Das darf nicht anders sein“ sind häufig geäußerte Sätze.
Fehlende soziale Einbindung im Jugendalter kann dazu führen, dass Menschen sich radikalisieren, wie Forschende der Universität Köln herausgefunden haben. Diversität verunsichert Menschen, die über wenig soziale Intelligenz verfügen. Eltern, die immer sagen „So wird das gemacht!“ und einen demokratischen Erziehungsstil vermeiden, verhindern eine Atmosphäre des Lernens, der Flexibilität und des Miteinanders – wodurch Kinder möglicherweise wertvolle Entwicklungschancen verpassen.
Was genau sich hinter dem Begriff "Demokratische Erziehung" verbirgt, erklärt Emma Schmieds „Der demokratische Erziehungsstil für glückliche Kinder“.
Soziale Intelligenz lässt sich trainieren
Wenn diese vier Verhaltensmuster bei dir oder jemandem im Umfeld öfter auftauchen: Sieh diesen Artikel bitte keinesfalls als Schuldzuweisung, sondern als einen Augenöffner. Soziale Intelligenz ist keine fix‑fertige Eigenschaft, sondern etwas, das wir gemeinsam lernen und stärken können. Und zwar in jedem Alter und mit jedem Bildungsstand. Unterstützung könnt ihr euch dabei durch entsprechende Ratgeber, wie z.B. Travis Bradberry und Jean Greaves „Emotionale Intelligenz 2.0“ holen.
Fang mit kleinen Schritten an: echtes Zuhören, Augenhöhe herstellen, Perspektive wechseln, die eigenen Gesprächsmuster reflektieren. Wenn du dich schwertust, übe mit Rollenspielen und such dir Unterstützung bei einer erfahrenen Psychologin oder einen Coach. Denn Investitionen in die soziale Intelligenz lohnen sich – an jedem Tag unseres Lebens.







